Raunheim

Die Trostspender

Die ehrenamtliche Notfallseelsorge im Kreis hilft seit zehn Jahren. Im Februar 2000 begannen die ersten freiwilligen Helfer mit Bereitschaftsdiensten, um am Wochenende Menschen bei seelischen Notfällen, nach Unfällen oder anderen Unglücken zu unterstützen.

Der Verein Seelsorge in Notfällen (SiN) im Kreis Groß-Gerau feiert am Wochenende sein zehnjähriges Bestehen. Im Februar 2000 begannen die ersten freiwilligen Helfer mit Bereitschaftsdiensten, um am Wochenende Menschen bei seelischen Notfällen, nach Unfällen oder anderen Unglücken zu unterstützen.

Die Anfänge des Vereins mit Sitz in Raunheim liegen eigentlich noch länger zurück. Die Notfallseelsorge entstand im Fahrwasser der Wiesbadener SiN-Gruppe, wie Pfarrer Heiko Ruff-Kapraun berichtet, der dem Kreis-Verein vom Dekanat Groß-Gerau zur Seite gestellt ist. Gegründet wurde Seelsorge in Notfällen bereits im Oktober 1998. Den Anstoß dazu hatten Dekan Tankred Bühler und Pfarrer Marcus Paul Gärtner gegeben. Ein Jahr später startete die Betreuung von Einsatzkräften.

Mittlerweile gibt es die Bereitschaft das ganze Jahr über rund um die Uhr, wie SiN-Vorsitzende Gudrun Hänel erklärt. Alarmiert werden die Helfer über die Rettungsleitstelle, alle sind mit Funkempfängern ausgestattet. 31 Helfer stehen derzeit in vier Gruppen bereit. Sie fahren zu Einsatzorten im gesamten Landkreis, sind dabei jeweils zu zweit unterwegs. In den meisten Fällen erfolgt der Einsatz nach dem plötzlichen Tod eines Menschen. Kürzlich zum Beispiel, als im Groß-Gerauer Bahnhof ein Mann von einem ICE überfahren wurde.

Zu Hilfe gerufenen Notfallseelsorger nehmen sich Zeit - so viel, wie nötig ist, bis die erschütterten Unfallopfer oder Angehörigen von ihrem eigenen sozialen Netz gehalten werden: von Freunden, Familie oder Nachbarn. "Wir bleiben so lange, bis stabile Verhältnisse da sind", sagte Notfallhelfer Werner Horn. Der Zeitaufwand kann eine halbe Stunde betragen, aber auch sieben Stunden. Im Schnitt seien es drei je Einsatz. Die Helfer reden, trösten, hören zu oder sind einfach schweigend da - je nachdem, was die Situation erfordert. Sie regeln auch ganz praktische Dinge, für die ein unter Schock stehender Mensch keinen Sinn hat.

Welches Verhalten in der aktuellen Situation nötig und richtig ist, lernen die Helfer in der Ausbildung bei Pfarrer Ruff-Kapraun; für Frühjahr ist ein neuer Kurs geplant. De Teilnehmer üben Gesprächsführung, bekommen Kenntnisse über psychische Belastung und über die Arbeit der Rettungsdienste. Dabei gibt es die Möglichkeit zu Hospitationen, die noch ausgebaut werden sollen.

Die Notfallseelsorger bekommen viel Belastendes mit, aber auch Positives, findet Gudrun Hänel. Ein Einsatz verdeutliche ihr oft, wie winzig klein zuvor groß erscheinende Probleme zu Hause seien. Um ihre eigene seelische Gesundheit zu erhalten, tauschen sich die ehrenamtlichen Helfer regelmäßig (amt)

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