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Im Trabi durchs Ried

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Vor 15 Jahren hat der gebürtige Odenwälder die Geschäftsidee entwickelt.
Vor 15 Jahren hat der gebürtige Odenwälder die Geschäftsidee entwickelt. © Gesche Ogursky

Hotelier Ulrich Breitwieser vermietet das DDR-Kultauto für Touren. Das Trabi-Abi gibt es als Kurzprogramm für Firmen ebenso wie für private Events. Es beinhaltet eine theoretische Prüfung, einen Parcours als praktischen Teil – und natürlich viel Spaß mit dem Trabi.

"Was ist ein Trabi auf einem Berg? Ein Wunder!“ Trabi-Witze wie diesen erzählte Ulrich Breitwieser vor etwa 15 Jahren einer Gruppe ausländischer Reiseveranstalter in Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Als er am nächsten Morgen zur Probefahrt einlud, war eine neue Geschäftsidee geboren. Gemeinsam mit einem Freund sowie zuerst fünf und mittlerweile 50 Trabis bietet der heute 52-Jährige seither Spaß mit dem knatternden DDR-Kultgefährt an.

Breitwieser lebt seit 2005 in Trebur-Astheim und hat mit seiner Lebensgefährtin Cornelia Apelt 2007 das Hotel Feldblick übernommen. Außerdem betreibt er eine Event-Agentur. Die Trabi-Idee habe er „mit in den Westen genommen“. Die Fahrzeuge stehen in Wittenberg, können aber mit Sattelschleppern innerhalb kurzer Zeit an den Wunschort gebracht werden.

Orientierungsfahrten mit sogenannten Road-Books durchs Rhein-Main-Gebiet oder andere Teile Deutschlands hat Breitwieser im Angebot. Wer ins Ziel möchte, muss vorher an verschiedenen Stationen haltmachen und einen DDR-BRD-Vergleich anstellen, bei dem Produkte wie Cola, Kekse und Schokocreme aus Ost und West verkostet werden, oder einen Parcours auf Segways absolvieren. Segways – einachsige Elektroroller – hat der gebürtige Odenwälder ebenso angeschafft wie einige Cross-Carts, mit denen er auch Off-Road-Events anbietet. Ein Trabi-Abi gibt es als Kurzprogramm für Firmen ebenso wie für private Events. Es beinhaltet eine theoretische Prüfung, einen Parcours als praktischen Teil – und natürlich viel Spaß mit dem Trabi.

„Eine Einweisung in die Bedienungselemente steht immer am Anfang“, erklärt Breitwieser. Denn der Trabant funktioniert nicht wie andere Autos. Erst müsse der Benzinhahn aufgedreht werden, sonst kann man gar nicht losfahren. Und wer zu untertourig fährt, dem säuft der Trabi ab. Technik gebe es in diesem Auto quasi nicht, nur einfachste mechanische Handhabung, betont Breitwieser.

Die Lenkradschaltung sei am ehesten mit der alten R4-Kupplung zu vergleichen, der Blinker muss manuell zurückgesetzt werden. Das ist ein „Kleinstauto“, scherzt Breitwieser: Manch einer empfinde den Trabi als geräuscharm, weil er sich mit den Knien die Ohren zuhalte. „Wer groß ist, kriegt die Krise“, ist er überzeugt. Mit einem vollen Tank Öl-Benzin-Gemisch im Verhältnis 1:20 komme so ein 26-PS-starkes Auto etwa 300 Kilometer weit. Charakteristisch für den in der DDR sehr begehrten Wagen mit Wartezeiten von damals oft 20 Jahren sei die „blaue Wolke“ beim Starten, die so rieche wie ein Zweitakter eben rieche. „Ist ja aber auch ein Oldtimer“, entschuldigt er den Gestank.

Zwei Trabis hat Breitwieser immer am Hotel stehen, einer davon wurde nach der Wende als Cabriolet umgebaut. In der DDR habe nur das Militär offene Kübelwagen gehabt, sonst seien alle Autos geschlossen gewesen, erzählt Breitwieser. Neben Zimmern, Appartements und Fahrrädern will der Hotelier seinen Gästen mit den Trabis „mal etwas Besonderes“ vermieten.

Auch wer kein Hotelgast ist, kann die Fahrzeuge stunden- oder tageweise mieten. Voraussetzung sei eine gültige Fahrerlaubnis. (eda)

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