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Statt rostiger Fahrradständer soll es am Walldorfer Bahnhof abschließbare Stellplätze geben.
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Statt rostiger Fahrradständer soll es am Walldorfer Bahnhof abschließbare Stellplätze geben.

Mörfelden-Walldorf

Streit um Fahrradparkhaus

Rot-grün beschließt das Millionenprojekt und erntet dafür heftige Kritik von der Opposition. Der Koalition seien die "Maßstäbe" verloren gegangen, so die CDU.

Die Stadt Mörfelden-Walldorf bekommt ihr Fahrradparkhaus. Am Walldorfer Bahnhof soll es künftig möglich sein, 29 Räder in einer vollautomatischen Anlage sicher wegzuschließen. Die rot-grüne Koalition ist bereit, dafür 180.000 Euro auszugeben. In der Stadtverordnetensitzung am Dienstag setzte sie das Projekt gegen erbitterten Widerstand der Opposition durch.

Das Fahrradparkhaus, für das es einen Landeszuschuss von rund 60.000 Euro geben soll, ergänzt die geplante Umgestaltung des Walldorfer Bahnhofsplatzes. Ursprünglich waren dafür 4,5 Millionen Euro veranschlagt. Jetzt wird mit Mehrkosten von rund 150.000 Euro gerechnet.

„Die Maßstäbe, was Standard und was Luxus ist, sind bei den Grünen und auch bei SPD verlorengegangen“, erregte sich CDU-Fraktionschef Karsten Groß. Da das Parkhaus gerade einmal 29 Räder aufnehme, ergäben sich Kosten von mehr als 6000 Euro pro Platz. „So einen teuren Stellplatz für Autos müssen sie mir erst mal zeigen“, rief Groß den Grünen zu.

Er bemängelte zudem, dass Folgekosten für Wartung und Reparaturen nicht dargestellt würden, es keine Aussagen zu Erfahrungswerten aus anderen Städten und Gemeinden gebe und sich auch zu Gebühren für die Nutzer in der Vorlage kein Wort finde. Das Fahrradparkhaus sei der „erste teure Preis“, den der Steuerzahler für die rot-grüne Koalitionsvereinbarung zu zahlen habe.

Unterstützung erhielt Groß von Gerd Schulmeyer (DKP/Linke Liste). Ihm erschließe sich die Notwendigkeit des Vorhabens nicht, erklärte er. Die Bevölkerung frage sich schon, wo das Geld für das Radparkhaus herkommen solle. „Da wird die Gelegenheit genutzt, ein Denkmal für Fortschrittsdenken insbesondere der Grünen zu setzen.“ Schulmeyer plädierte dafür, die Vorlage zurückzuziehen, da Informationen fehlten und womöglich weitere Angebote eingeholt werden könnten. Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) wandte sich gegen diesen Vorschlag, weil bei einer Verschiebung eine verzögerte Auszahlung von Zuschüssen zu befürchten sei.

Von Kopfschütteln bei Bürgern berichtete Steffen Seinsche (FDP). Auf der einen Seite schließe das Freibad eine Woche früher, um 10.000 Euro zu sparen, auf der anderen solle ein Fahrradparkhaus errichtet werden. „Ein Bad ist heute in jeder Wohnung Standard. Goldene Wasserhähne sind es nicht.“ Es dürfe ruhig nach günstigeren Alternativen gesucht werden. Fahrradparkhäuser gebe es in Tokio oder Universitätsstädten. Bei dem nun vorgesehenen Betrag könne man drei Jahre jemanden beschäftigen, der aufpasse. Den Einzelabgeordneten Volker Arndt schreckten vor allem die hohen Kosten für verhältnismäßig wenige Plätze.

Ralph Graul (Grüne) sah das Fahrradparkhaus als einen Beitrag zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Verschließbare Abstellplätze für Räder seien heute Standard und kein Luxus, sagte er auch mit Blick auf die Anschaffungskosten etwa für E-Bikes.

SPD-Fraktionsvorsitzender Behnam Yazdani warb dafür, das Gesamtprojekt Bahnhofsplatz im Blick zu behalten und nicht Detailfragen überzubewerten. Das Radparkhaus stelle ein gewisses Wagnis dar – die Fahrradboxen in Mörfelden werden nur bedingt angenommen. Bei einer ordentlichen Vermarktung sei er sich aber sicher, dass es eine Nachfrage geben werde.

Andrea Winkler (Grüne) beklagte eine Zweiklassengesellschaft in Deutschland. So gelte es als normal, etwas für Autofahrer zu tun. Gehe es um Radfahrer, werde von Luxus gesprochen. Die derzeitigen Radabstellplätze seien veraltet und verrostet. Insgesamt entstünden am Walldorfer Bahnhof mehr als 200 neue Radabstellplätze. Empfehlungen zufolge sollten davon 15 bis 20 Prozent abschließbar sein. Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) rechnete im Anschluss an die Diskussion vor, dass jeder der rund 130 Autoabstellplätze etwa 6900 Euro koste, wenn ein Fünftel der 4,5 Millionen auf Park-and-Ride-Plätze entfallen. (mz.)

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