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Ulrich Gehron ist Kreishandwerksmeister in Groß-Gerau.

Interview

Städte sollten die Gewerke einzeln ausschreiben

Kreishandwerksmeister Ulrich Gehron im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über die Wünsche des Handwerks im Kreis Groß-Gerau an das Konjunkturprogramm des Bundes.

Haben die Handwerker jetzt schon weniger Aufträge?

Im Bau ruht zurzeit witterungsbedingt die Arbeit. Nach der Winterpause müssen die Aufträge erst abgearbeitet werden. Die Krise macht sich aber schon bemerkbar. In den anderen Bereichen außerhalb des Baus wird die Arbeit schon deutlich knapper, teilweise wurde Kurzarbeit angemeldet.

Hätte das Handwerk also Kapazitäten frei für größere Aufträge?

Ja, ich denke schon. In den letzten Jahren ist zwar viel Personal abgebaut worden, weil die öffentlichen Aufträge oft an die großen Gesellschaften der Bauindustrie gingen. Die Kleinen mussten dann wegen Arbeitsmangel entlassen. Wenn jetzt aber garantiert werden kann, dass das Handwerk von dem Konjunkturpaket profitiert, können die Betriebe wieder Personal einstellen.

Was muss die Politik tun, damit die Handwerksbetriebe einen wirklichen Nutzen haben?

Bund und Land müssten das Programm nicht nur auf zwei Jahre verteilen, sondern auf mehrere Jahre ausweiten und die Mittel in gleicher Höhe bereitstellen. Wenn plötzlich alles auf einmal saniert und gebaut werden soll, nützt das den Kleinen nicht. Außerdem sollte die Politik dafür sorgen, dass in zwei bis drei Monaten begonnen werden kann. So lange können sich die Betriebe noch über Arbeit halten. Wir brauchen also einen baldigen Beginn und eine längere Dauer.

Welche Sparten würden davon profitieren?

Der Bau und Ausbau, die Zulieferer, Großhandel und Einzelhandel, die Kfz-Branche, dann der Baumaschinenhandel. Der Bau braucht dringend neue Fahrzeuge und Maschinen. Investitionen wurden in den Betrieben bislang auf die lange Bank geschoben. Kommen Aufträge, werden Lastwagen und andere Maschinen auch wieder gekauft.

Wie könnten die Kommunen und der Kreis die Handwerker unterstützen?

Die Kommunen und der Kreis müssten dafür sorgen, dass die Aufträge nicht an Generalunternehmer gehen. Dafür müssten sie selbst die Vergaben und die Bauleitung kümmern und die Aufträge für die einzelnen Gewerke auszuschreiben. Nur so haben Handwerksbetriebe aus dem Bau- und Ausbaugewerbe etwas davon. Es ist zwar Mehrarbeit für die Kommunen, aber es kommt den Städten und Gemeinden ja auch wieder zugute, wenn das Geld in der Region bleibt.

Werden die Konjunkturprogramme unter den Handwerkern schon diskutiert?

Noch nicht konkret, weil die Programme bisher nicht umgesetzt wurden.

Interview: Madeleine Reckmann

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