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Angeklagter Erdal E. sieht sich als Opfer.

Rüsselsheim

Spucke gegen den Kontrahenten

Tumult im Gerichtssaal: Mit Gebrüll und Anspucken ihres Mitangeklagten haben die Brüder Erdal und Serdal E. gestern die Verhandlung im Prozess um die Schießerei in einem Rüsselsheimer Eiscafé mit drei Toten platzen lassen.

Großer Auftritt der Familie E. im Landgericht Darmstadt: Mit Gebrüll und Anspucken ihres Mitangeklagten haben die Brüder Erdal und Serdal E. gestern die Verhandlung im Prozess um die Schießerei in einem Rüsselsheimer Eiscafé mit drei Toten platzen lassen. Ihr Vater, der als Nebenkläger, auftritt, attackierte ebenfalls lautstark Gericht und Staatsanwaltschaft. Der Vorsitzende Richter Volker Wagner brach daraufhin die Verlesung von Handy-Abhörprotokollen ab. Erst am 10. Februar wird die Verhandlung fortgesetzt.

Lautstarke Unterbrechung

Es war der ältere Bruder Erdal E. gewesen, der polternd die Verlesung durch Wagner unterbrach. Er verstehe das alles nicht, rief der 33-Jährige und fuhr mit zunehmender Lautstärke fort: "Fakt ist doch, dass wir in einen Hinterhalt gelockt wurden und hingerichtet wurden! Warum sieht das niemand? Ich verstehe dieses Spiel nicht."

Auf Taylan K. zeigend rief er: "Der hat meinen Bruder umgebracht! Wir sind Opfer, Opfer! Seine ganze Familie steckt dahinter." Erdal E. war bei der Schießerei am 12. August 2008 von fünf Kugeln lebensgefährlich verletzt worden. Sein Bruder Deniz wurde erschossen. Der kräftig gebaute Mann wirkt zunehmend angeschlagen, je länger sich der im Mai 2009 eröffnete Prozess hinzieht. Einen Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft wegen psychischer Probleme hatte das Gericht abgelehnt.

Bis zum Ende am Tatort

Während Erdal E. aus dem Gerichtssaal geführt wurde, begann sein Bruder Serdal Beschuldigungen gegen Taylan K. und die Staatsanwälte zu brüllen, sprang auf, trat gegen Tische und Stühle und spuckte schließlich Taylan K. an. Die Verhandlung wurde schließlich abgesetzt.

Die zuvor verlesenen Abhörprotokolle betrafen Handy-Gespräche zwischen Serdal E. und seiner Lebensgefährtin, als der Beschuldigte nach der Tat auf der Flucht im Ausland war. Er berichtete Einzelheiten vom Tatort, die darauf hindeuteten, dass er bis zum Ende der Gewalttaten dort war. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Serdal E., den bereits verletzten Erkan K. mit 14 Messerstichen getötet zu haben. (bad)

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