Mörfelden-Walldorf

Zum Spielen ins Altenheim

Weil die Kita umgebaut wird, weichen die Kinder ins Nachbarhaus aus.

Jeden Vormittag pilgert Kathrin Michelfelder mit zehn Mädchen und Jungen ins Nachbarhaus, in dem sich die Altenwohnanlage Heidelberger Straße befindet. "Die Kinder sind total gern hier", erzählt die Erzieherin. Im dortigen Gemeinschaftsraum können die Kinder zwei Stunden lang spielen - "und sie freuen sich, wenn eine der Omas oder auch mal ein Opa vorbei kommt, mitspielt oder nur zuschaut."

Die 1966 errichtete Kindertagesstätte wird derzeit für rund 955 000 Euro umgebaut und um 200 Quadratmeter erweitert. Zum einen erhalten die Gruppenräume einen Nebenraum, zum anderen entsteht ein Anbau, um von 2011 an auch Kinder unter drei Jahren betreuen zu können.

Bewohner als Ersatz-Omas

Die Umbauarbeiten waren für den Sozialdezernenten und Ersten Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) der Anlass nachzufragen, ob der Gemeinschaftsraum in der Altenwohnanlage mitbenutzt werden könne. Kita-Leiterin Marietta Kauschat wusste durch ihre Kontakte, dass der Raum vormittags praktisch nicht genutzt wird. "Wir haben die Bewohner zum Gespräch eingeladen, um zu informieren und zu fragen, ob sie mit dem Projekt einverstanden sind", berichtet Christine Wiemken, Leiterin der Abteilung Sozialberatung und Wohnen bei der Stadtverwaltung.

Das Haus mit seinen 35 Wohnungen, in denen 50 Menschen leben, gehört der Stadt Mörfelden-Walldorf. Der Gemeinschaftsraum verfügt über eine kleine Küche. "Das ist natürlich auch für die Kinderbetreuung von Vorteil." Kathrin Michelfelder arbeitet im Nachbarhaus vor allem mit Kindern, die eine Sprachförderung erhalten. "Dazu braucht es ein ruhiges Umfeld, das wir hier vorfinden."

Ab Oktober soll allerdings Schluss sein mit den Besuchen der Kindergartenkinder im Altenwohnheim, weil sie dann wieder ihre eigene Einrichtung nutzen können. "Doch nach den guten Erfahrungen wäre es schade, wenn diese Begegnung von Alt und Jung wegfiele", meint Stadtrat Urhahn. "Wir werden die Bewohner fragen, ob sie sich eine Fortsetzung wünschen." Schließlich werden nach seiner Beobachtung angesichts der veränderten gesellschaftlichen Bedingungen die früher oft alltäglichen Kontakte zwischen den Generationen immer seltener.

Erzieherin Kathrin Michelfelder hat festgestellt, dass die Kinder durchaus zur Kenntnis nehmen, dass die Altenwohnanlage etwas Besonderes ist. "Sie verhalten sich von sich aus ruhiger." Vor allem haben die Kleinen Elli Bretz und Anni Pavek ins Herz geschlossen, die zu den regelmäßigen Besucherinnen gehören, wenn die Kinder den Gemeinschaftsraum mit Leben füllen. (mz)

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