Zustimmung und Empörung

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Kelsterbach Die Meinungen zum Waldverkauf an Fraport sind unterschiedlich

Retten, was zu retten ist und nicht warten, bis ein Enteignungskommissar die Entschädigung festsetzt" - das hält der Ex-Bürgermeister Erhard Engisch (SPD) für richtig und stärkt den jetzigen Bürgermeister Manfred Ockel (SPD). Der kündigte gestern an, der Flughafenbetreiberin Fraport das für die Landebahn benötigte Gelände für 32 Millionen Euro zu verkaufen.

Dass Kelsterbach keine andere Wahl mehr hat, sieht auch Alfred Wiegand, CDU-Ehrenvorsitzender, so. "Die Stadt muss das Beste rausholen", sagt er. CDU-Fraktionsvorsitzender Michael de Frènes wird den Stadtverordneten empfehlen, auf der Parlamentssitzung am 9. Februar für die Eckpunkte zu stimmen. "Kelsterbach hat keine andere Chance", sagt der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD). Raunheim bleibe jedoch bei der Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss. "Wir versuchen aktiven Schallschutz zu erreichen", sagt er. Das bedeutet, Flieger und Anflugverfahren sollen leiser werden.

Landrat Enno Siehr (SPD) ist dagegen empört. Es habe Siehr überrascht, dass die Stadt die Vereinbarung getroffen habe, bevor das Hauptverfahren entschieden sei, teilte Pressesprecher Jochem Kahl mit. Der Landrat habe Verständnis für Bürgermeister, die die Interessen ihrer Kommune verteidigten. Aber er bedauere, dass Kelsterbach die Solidarität der Ausbaugegner verlasse und der Bewegung Schaden zufüge.

Siehr erklärte, künftig weiterhin im engen Schulterschluss mit den Bürgerinitiativen gegen den Ausbau den Rechtsweg bis zur letzten Gerichtsinstanz zu beschreiten. Die Stadt Rüsselsheim äußert sich unzufrieden mit dem Deal. "Die Phalanx der Kommunen gegen den Flughafenausbau ist mit dem Abkommen geschwächt und eine Lösung erschwert", teilte Stadträtin Silke Klinger (parteilos) mit. Die Kelsterbacher BI IGEL bedauert, dass sich die Stadt weitere juristische Schritte abkaufen lasse. In dem von Joachim Storck zugesandten Schreiben heißt es, dass IGEL dies für einen Verstoß gegen die Resolution des Parlaments hält und bittet die Stadtverordneten, dem Verkauf nicht zuzustimmen. Da das Papier unmittelbar nach Beschlussverkündung des VGH Kassel vorgelegt wurde, gehen die IGEL-Streiter davon aus, dass beide Seiten diesen Schritt seit langem vorbereitet haben.

Zu wenig Geld für den Wald

Pfarrer Kurt Schubert von der evangelischen Christusgemeinde findet es schade, dass der Erholungswald gefällt wird. Über die Beweggründe der Stadt möchte er allerdings nicht urteilen. Die Summe hält er für zu niedrig. "Der Wald ist kostbarer", sagt er.

Mörfelden-Walldorfs Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) sagt weder ja noch nein. Zum einen findet er die Kelsterbacher Position verständlich, weil die Stadt besonders hart betroffen sei. Zum anderen sieht er darin ein Signal, dass die Kommunen nicht mehr geschlossen gegen den Ausbau antreten. Becker sagt: "Ich sehe dennoch gute Chancen, ein Nachtflugverbot vor Gericht zu erreichen."

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