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Sieben Standorte für Windräder halten die Macher der Studie im Kreis Groß-Gerau für geeignet.

Studie der TU Darmstadt

Von Windrädern und Strom-Bojen

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Die Wissenschaft hat festgestellt: Mit der heutigen Technik könnten die Riedwerke mehr Ökostrom erzeugen als derzeit im Kreis verbraucht wird. Von Madeleine Reckmann

Schon mal etwas von Strom-Bojen gehört? Das sind Turbinen von 1,5 bis 2,5 Metern Durchmesser unter der Wasseroberfläche, die Strom erzeugen, indem strömendes Wasser durch sie hindurchfließt. Rhein-Spaziergänger bekommen sie in Zukunft vielleicht zu Gesicht. Nicht, dass auf diese Weise bald viel Strom erzeugt werden könnte. Aber laut Erstem Beigeordneten Thomas Will (SPD) ist es durchaus denkbar, dass der Kreis diese Technik in Pilotprojekten ausprobiert. Genauso wie schwimmende Photovoltaikanlagen auf den zahlreichen Kiesseen im Kreis.

Strom-Bojen und schwimmende Sonnenkollektoren werden in der seit letzter Woche vorliegenden Potenzialstudie zu den Möglichkeiten erneuerbarer Energien nur am Rande erwähnt. Aufregender ist das Ergebnis: Theoretisch ist es möglich, mit der heutigen Technik im Kreisgebiet mehr Ökostrom zu erzeugen als jetzt Strom verbraucht wird, zitiert Will die Studie.

Die Riedwerke hatten auf Beschluss des Kreistags 2008 die Potenzialstudie bei der Technischen Universität Darmstadt und dem Hersteller von Photovoltaikanlagen Juwi Solar in Auftrag gegeben. Sie sollte ausloten, ob und wo im Kreis Groß-Gerau der Ausbau erneuerbarer Energien sinnvoll ist. Ihr soll ein Gutachten folgen, das ein Engagement für Ökostrom detaillierter festlegt.

Ein Arbeitskreis aus Vertretern der Landwirtschaft, Politik, Wissenschaft und Naturschutz begleitete die Entwicklung der Studie. "Wir wollen den Besitzern der Flächen und möglichen Investoren die Chancen aufzeigen", sagt Will. Euphorisch wirkt der Erste Beigeordnete nicht. Nicht auf allen Flächen, die die Autoren für Technik zur Stromgewinnung ausgeguckt haben, lasse sich ein Kraftwerk setzen, sagt er. "Wir müssen schauen, was wirtschaftlich und politisch durchsetzbar ist." Unabhängig davon werde sich der Kreis stärker fürs Energiesparen und die bessere Dämmung alter Häuser einsetzen.

Die Verfasser der Studie gehen davon aus, dass im Kreis Groß-Gerau auf sieben Standorten Windräder stehen könnten. Die Schwachwindanlagen sorgen auch dort für eine rentable Stromausbeute, wo kein Wind wie in den Höhenlagen weht.

Zudem seien die Möglichkeiten der Photovoltaik immens. Nicht nur auf Dächern: Die Studie nennt 20 Freiflächen, wo Photovoltaikanlagen auf dem Boden stehen könnten. In Riedstadt produziert seit Dezember ein solcher Solarpark Strom.

Sehr gute Aussichten räumen die Autoren auch der Tiefengeothermie ein. Kein anderes Gebiet in Hessen ist so gut für diese Technik der Stromgewinnung geeignet wie der Kreis Groß-Gerau, da hier die Erdkruste relativ dünn ist. Tiefengeothermie-Kraftwerke produzieren mittels Wärmetauscher Strom und können Abwärme abgeben. Noch gibt es kein solches Kraftwerk in der Region.

Ausbaufähig ist auch die Biomassetechnik, wie sie in Wallerstädten schon besteht. Dort wurde im August ein Biomassekraftwerk eröffnet, das durch die Verbrennung von Maispflanzen - nicht Maiskolben - Strom erzeugt.

Am Dienstag, 10. Februar, um 17 Uhr, wird der Kreisausschuss im Landratsamt über die Potenzialstudie informiert.

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