Mörfelden-Walldorf

Schönheitskur für den Bahnhof

Das heruntergekommene Gebäude mit den Jugendstilelementen soll neu hergerichtet werden - und Nahverkehr, Kultur und Vereine unter einem Dach vereinen.

Abblätternde Farbe, Löcher im Mauerwerk, heruntergerissene Tapeten - der Betrachter braucht schon sehr viel Kreativität, um hinter der Tristesse des Mörfelder Bahnhofs ein "bauästhetisch wegweisendes" Gebäude zu sehen, wie es der Erste Kreisbeigeordnete Thomas Will (SPD) gestern nannte. Bei einem Ortstermin auf Einladung von Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) wurde am Montagnachmittag dem Magistrat und der Presse erläutert, wie das Gebäude mit Jugendstilelementen neu hergerichtet und künftig genutzt werden soll.

Das Außengelände ist bereits im ersten Bauabschnitt fertiggestellt, der zweite Teil habe sich aufgrund der Witterung verzögert, sagte Becker. Bis Ende Mai sollen die Park & Ride-Plätze, die Bushaltestellen, die Buswendeschleife, die überdachten Fahrradstellplätze und 15 Fahrradboxen fertig sein. Auch der Mittelbahnsteig ist bald mit einem Aufzug für Behinderte und Eltern mit Kinderwagen zu erreichen. Mitte kommenden Jahres soll das Bahnhofsgebäude fertig sein.

Der Bestand des seit acht Jahren existierenden Veranstaltungslokals Kulturbahnhof im Erdgeschoss sei "unstrittig", betonte Becker, dieser Teil bleibe im jetzigen Zustand erhalten. Ansonsten aber wird es gravierende Veränderungen geben. Die meisten Trennwände werden fallen, so dass eine 100 Quadratmeter große Ladenfläche entsteht. In einem Stehcafé und an einem Imbissstand im Erdgeschoss sollen Brötchen und Getränke zu kaufen sein. Bürgermeister Becker versprach außerdem eine "personengestützte Vertriebsstelle", bei der es nicht nur Tickets für den Nahverkehr, sondern auch Fahrplanauskünfte gibt. Das wäre die erste derartige Stelle im Kreis Groß-Gerau.

Möglich wird dies durch eine Kooperation der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft mit der gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung der beruflichen Bildung, die hier Jobs zur Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen schafft. Und selbst für Bedürfnisse, die der Fahrgast an anderen Bahnhöfen nicht mehr zu haben hat, gibt es in Mörfelden ein Angebot: Barrierefreie Toiletten im Erdgeschoss gehören zu den Umbauplänen.

Vereine profitieren

Nicht nur Bahnkunden, auch Vereine profitieren vom Umbau des Gebäudes, das seit 2002 im Besitz der Stadt ist. Im rund 140 Quadratmeter großen Obergeschoss wird der Frauentreff einen 80 Quadratmeter großen Raum bekommen. Ein gemeinsames Büro werden sich der Sozialverband VdK, der Karnevalverein Die Sandhasen, der Freundeskreis der Städtepartnerschaft und der Hospizverein teilen.

Kreisbeigeordneter Thomas Will ist zuversichtlich, dass gemeinsam mit der Umgestaltung des Bahnhofs Dornberg in Groß-Gerau dann die Tristesse auf der Riedbahnstrecke gemindert werde und der Bahnhof in Mörfelden künftig auch wieder eine soziale Funktion erfülle.

Bürgermeister Becker verbindet mit der Umgestaltung noch deutlich weitergehende Hoffnungen: "Wir versprechen uns von dem Umbau, dass mehr Menschen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen und dann auch der Takt auf der Riedbahnstrecke erhöht wird." (ers)

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