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Mittagessen in der Schule ist nicht selbstverständlich.

Darmstadt-Dieburg

Kein Verlass auf Grundschulen

Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hilft berufstätigen Eltern von Grundschülern nicht weiter. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg etwa kommen viele Grundschulen selbst ihrer Pflicht zur Vormittagsbetreuung nicht nach.

In immer mehr Familien sind Vater und Mutter berufstätig. Um das zu ermöglichen, wird derzeit mit Milliardenaufwand bundesweit versucht, genügend Kindergartenplätze zur Verfügung zu stellen. Doch mit dem Wechsel des Kindes in die Grundschule wackelt die gerade erst entstandene verlässliche Planung in den Familien schon wieder, wie ein Blick auf die 60 Betreuungsangebote im Grundschulbereich Darmstadt-Dieburgs zeigt.

„Viele Akteure sind bei der Schulbetreuung im Boot“, sagt Kreis-Sozialdezernentin Rosemarie Lück (SPD): Staatliches Schulamt, Schule, Bürgermeister – und nicht zuletzt die vielen Träger des jeweiligen Betreuungsangebots. An mittlerweile 17 Grundschulen kümmert sich Kreispersonal um die Kinder. Daneben sind Schulfördervereine, Elterninitiativen ober andere soziale Vereine wie der Bund Deutscher Pfadfinder im Raum Babenhausen aktiv.Diese Vielfalt der Akteure ist es auch, die heute ein verlässliches einheitliches Angebot für Schülerbetreuung im Kreis so schwer macht. Je nachdem, wo man im Kreis wohnt, ist die Kinderbetreuung in der Schule unterschiedlich geregelt: unterschiedlich lange Betreuungszeiten, unterschiedliche Standards, unterschiedliche Elternbeiträge, unterschiedliche Verlässlichkeit.

Erst Anfang des Jahres hat beispielsweise in Schaafheim der Verein Butterblume nach 15 Jahren mitgeteilt, dass er die Schülerbetreuung nicht weiterführen könne. Der Bürgermeister kam hilfesuchend auf den Kreis zu, der einsprang. Kreis-Sozialamtsleiter Otto Weber weiß um die Bedeutung des Themas: „Wir spüren hier jeden Tag, dass immer mehr Eltern eine längere und verlässliche Betreuung einfordern. Einmal standen wir deshalb sogar kurz vor einer Klage.“

Doch die hätte kaum Aussicht auf Erfolg, denn „gesetzliche Vorgaben gibt es nur fürs Kindergartenalter, nicht mehr in der Schule als einklagbaren Rechtsanspruch der Eltern“, sagt Rosemarie Lück.

Dennoch versucht die Kreisspitze, das Betreuungsangebot zu vereinheitlichen. Dazu Karl Hartmann (SPD) aus Reinheim, der Sprecher der Bürgermeister im Kreis: „Für uns Kommunen sind Gelder für die Betreuung eine freiwillige Leistung. Der Kreis hingegen ist als Träger der Jugendhilfe gefordert.“ Weil die Betreuung von manchen Kindern außerhalb des Unterrichts als wichtig erkannt ist, übernimmt die Kreiskasse für diese Schüler die Betreuungskosten; derzeit 200?000 Euro im Jahr.

Wichtig sei aber auch, so Hartmann, dass die meisten Grundschulen im Kreis aktuell ihre gesetzlichen Vorgaben zur Vormittagsbetreuung nicht einhielten. „In den Grundschulklassen eins und zwei müssen vier Zeitstunden, in den Klassen drei und vier sogar fünf Zeitstunden verlässlich sein.“

Doch das halten nach eigenen Angaben nur wenige ein, wie in Pfungstadt und Weiterstadt. „Die anderen argumentieren, dass sie zu wenig Personal haben“, schildert Hartmann. Und wendet ein: „Mich fragt auch niemand, ob mein Kindergartenpersonal ausreicht. Ebenso müssen die Schulen mit ihren Lehrern bitte ihre Pflicht aus dem Schulgesetz erfüllen.“

Die Kreis-Dezernentin ist skeptisch: „Der Flickenteppich wird bleiben, wobei es eigentlich nicht denkbar ist, dass die Akteure vor Ort das weiter untereinander aushandeln.“ Lücks Fazit: „Es muss einen Rechtsanspruch für Betreuung auch in der Schule geben, der weit über das hinausgeht, was dort bislang Realität ist. Nur dann können Familien planen“. (piz.)

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