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In der ehemaligen Fliegerbaracke ist seit 1975 der Jugendtreff untergebracht. Bald werden sie abgrissen.

Mörfelden-Walldorf

Ein Ort für Frust und Küsse

Die Tage des alten Jugendzentrums sind gezählt: Die ehemalige Fligerbaracke am Mörfelder Bahndamm, die vor fast 35 Jahren als Provisorium eingerichtet wurde, weicht einem Neubau.

Erste Küsse wurden hier ausgetauscht, Bühnenerfahrungen gesammelt, Frust über Eltern und Ärger mit Lehrern besprochen, Freunde getroffen, es wurde Musik gehört und Billard spielen gelernt. Das Jugendzentrum (Juz) in Mörfelden ist für viele ehemalige und heutige Besucher ein unauslöschlicher, wichtiger Teil der Pubertät. Jetzt weicht die ehemalige Fliegerbaracke der US Air Force am Mörfelder Bahndamm, die vor fast 35 Jahren als Provisorium für die Jugend eingerichtet worden war, einem Neubau.

Dieser soll nicht nur günstiger in einer Ecke des Grundstücks platziert werden, so dass es eine größere Freifläche für Sport und Freizeitangebote gibt, sondern auch eine bessere Raumaufteilung bieten. Bei den Jugendlichen und Betreuern überwiegt die Freude über das kommende neue Domizil. "Aber wir werden sehen, wie viele Kilometer Taschentücher wir beim Abschiedsfest brauchen", sagt Heimo Boschert, Leiter der Stadtjugendpflege. Einige ehemalige Besucher hätten schon angekündigt, einen Stein vom alten Juz behalten zu wollen. "Ist ja auch verständlich", sagt Juz-Mitarbeiter Klaus Steinki, "es gibt Leute, die waren fast zehn Jahre lang jeden Nachmittag hier, haben hier fast schon gewohnt, die hängen natürlich an dem alten Bau."

Hütte zum Chillen und Grillen

Doch abseits der Sentimentalitäten überwiegt der Pragmatismus. Mit dem Neubau kommen auch mehr Angebote. "Im Außenbereich wird eine Grill- und Chillhütte entstehen", sagt Boschert. Auf besonderen Wunsch der Jugendlichen bekommt sie auch einen Stromanschluss für den Ghettoblaster. Mit Rücksicht auf umliegende Kleingärten wird aber wohl eine Zeitschaltuhr den Musikgenuss einschränken. Die Basketballfläche wird vergrößert, eine Kletterwand neu installiert, "die Sport- und Bewegungsmöglichkeiten werden deutlich größer", lobt Boschert.

Für die Planung der Innenräume hatte Architekt Claus Staniek die jungen Besucher befragt. Fahron, der seit knapp zwei Jahren regelmäßig im Juz ist, sieht seine Vorschläge auf den jetzigen Plänen auch umgesetzt. "Ich wollte einen Kuschelraum für DVD-Abende und besser abgetrennte Toiletten." Ein großer Saal für den offenen Treff ist das Zentrum des Neubaus. Dieser kann gemeinsam mit Garderobe und Sanitäranlagen durch Flurtüren vom Rest des Gebäudes abgetrennt und gemietet werden - etwa für Geburtstagsfeten.

Lager, Technikräume und ein Behinderten-WC sowie ein Seminarbereich, Küche und Werkstatt, Büros und ein Bandproberaum gehören ebenfalls zur Raumplanung. Vor allem der Proberaum war allen Beteiligten wichtig: "Es gibt eigentlich niemanden, der zur Mörfelder Musikszene gehört, der nicht im Juz seine ersten Bühnenerfahrungen gemacht hat", sagt Boschert. Allerdings ist dieser jetzt so abgetrennt, dass auch dann noch Unterhaltungen im Juz möglich sind, wenn die Verstärker auf Maximum stehen. (ers)Eine dreitägige Abschiedsfete vom alten Juz gibt es vom 26. bis 28. März. Am Montag, 1. Februar, treffen sich um 19 Uhr Bandmitglieder, aktuelle und ehemalige Juz-Gänger zum Planen.

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