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Ute Zeller und Christof Riess haben die Zusammenarbeit vertraglich vereinbart.

Mörfelden-Walldorf

Erst die Lehre, dann das Studium

Die Bertha-von-Suttner-Schule und die Handwerkskammer Rhein-Main wollen künftig verstärkt kooperieren. Erstes konkretes Projekt ist ein zweiwöchiger Schnupperkurs für 45 Jugendliche im Berufstechnischen Zentrum in Weiterstadt

"Handwerk hat Zukunft“, sagt Ute Zeller. Eine Stadt ohne Bäcker, ohne Metzger, ohne Kraftfahrzeugwerkstatt, Schreinerei, Maler- oder Sanitärbetrieb gebe nicht nur ein trauriges Bild ab. Die Grundlage für das alltägliche Leben würde fehlen.

Um das Interesse von jungen Leuten an einer handwerklichen Lehre zu wecken und so für qualifizierten Nachwuchs in diesen Berufsfeldern zu sorgen, unterzeichnete die Leiterin der Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf am Mittwoch mit dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Rhein-Main, Christof Riess, einen Vertrag. Er soll die Initialzündung einer stärkeren Kooperation beider Einrichtungen sein.

Erstes konkretes Projekt der Zusammenarbeit zwischen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und Handwerkskammer ist ein zweiwöchiger Schnupperkurs für 45 Jugendliche im Berufstechnischen Zentrum (BTZ) in Weiterstadt. „Dort bekommen die Schüler die Chance, in Metall und Holz verarbeitende Berufe und das Bauwesen reinzuschnuppern“, sagt Stefanie Plaum, Koordinatorin für Berufsorientierung an der Suttner-Schule. Weitere Projekte müssten nun entwickelt werden. Workshops für Schüler innerhalb der Werkräume oder kurze Praktika in Handwerksbetrieben der Region sowie Lehrerfortbildungen seien Ideen.

Unterstützt und finanziell gefördert wird die Kooperation von der Stadtverwaltung. Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) sagt zur Begründung: „Es kann und möchte nicht jeder einen akademischen Weg einschlagen. Für Alternativen zu werben und realistische Perspektiven aufzuzeigen, ist daher wichtig.“

Betrieben fehlt der Nachwuchs

In der Region kooperieren bereits fünf Schulen mit der Handwerkskammer. „Wir möchten bei den Computerkids wieder Interesse für handwerkliche Berufe wecken“, sagt Zeller. Der Schlüssel dafür liege in persönlichen Begegnungen und dem Sammeln von Erfahrungen. Mehr als 4100 neue Auszubildende wurden 2010 in den Statistiken der Handwerkskammer Rhein-Main erfasst – eine Steigerung von knapp vier Prozent gegenüber 2009. „Es werden aber in den meisten der 31?000 Betriebe händeringend Interessierte gesucht“, weiß Christof Riess und ergänzt: „Hier gibt es Nachwuchsmangel, dabei ist deutsches Handwerk international gefragt.“ Um das Image der handwerklichen Berufe aufzubessern, gaben die Kammern im vorigen Jahr 50 Millionen Euro für eine bundesweite Werbekampagne aus.

Eine Lehre biete mehr Perspektiven, als viele glauben, betont Riess. Als Meister könne man auch eine akademische Laufbahn einschlagen. Die Gesellschaft brauche beide Arten der Ausbildung. Eltern müssten auch stolz auf den Sohn sein dürfen, der Metzger ist oder die Tochter, die als Mechatronikerin in der Kfz-Werkstatt arbeitet. Nicht nur auf Kinder, die Juristen oder Banker sind.

„Langfristig wäre es denkbar, in ausgewählten Schulen duale Ausbildungen einzuführen“, sagt Riess. Parallel zum Abitur könnten Schüler eine Handwerkslehre abschließen und am Nachmittag oder in den Ferien in den Betrieben arbeiten. ( tij)

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