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Vor dem Bau einer Anlage wird ein Gutachten erstellt.

Windpark Modautal

Artenschutz vor Energiewende

Ein Rotmilan-Horst stoppt den Windpark in Modautal. Die Gemeinde will das Projekt im Auge behalten.

Weil ein Rotmilanpärchen in der Nähe nistet, ist der Windpark in Modautal gestoppt worden. Millionen-Einnahmen liegen auf Eis. Juwi Wind als Projektentwickler und die politischen Akteure hoffen nun, dass die Vögel den Horst aufgeben – was allerdings untypisch wäre.

„Wir schreiben das Projekt noch nicht ab, wollen im nächsten Jahr eine Nachuntersuchung machen“, sagt Volker Wilhelm. Er ist bei Juwi Wind seit 2010 für die Projektakquise zuständig. Dass ein Projekt am Naturschutz scheitert, sei ihm bis auf den jetzigen Fall noch nicht passiert.

Der Modautaler Bürgermeister Jörg Lautenschläger (CDU) spricht davon, dass die Genehmigungsfähigkeit neu überprüft werden kann, „sollte der Horst über zwei Jahre unbesetzt bleiben“. SPD und Grüne plädieren ebenfalls dafür, das Projekt im Auge zu behalten. Die Frage ist nur, wie viel Chancen es noch hat.

Vögel ziehen vielleicht weiter

Denn: Der Rotmilan gilt als sehr standorttreu, nach Wegzug eines Pärchens wird ein Horst oft von anderen Exemplaren weitergenutzt. Der mitteleuropäische Greifvogel steht seit 1984 unter strengem Schutz. Er hat in Hessen einen Schwerpunkt: Laut Nabu brüten hier etwa 1000 Paare. Eines davon wurde bei einem vogelkundlichen Gutachten entdeckt. Dabei durchkämmt ein Gutachter das Gebiet um einen geplanten Windrad-Standort in einem Radius von 1000 Metern. Das dabei entdeckte Pärchen hat seinen Horstbaum laut Juwi etwa 600 Meter von dem geplanten Windrad-Standort am Johannesberg.

Auf Nachfrage bestätigte das Umweltministerium, es werde auch weiterhin bei einem Schutzradius von 1000 Metern bleiben. Für den Abstand zu Wohngebieten gilt die gleiche Empfehlung. Zwei Windräder, die 2011 auf der Neutscher Höhe errichtet wurden, unterschreiten diesen Wert zu Wohnhäusern allerdings. Man müsse jeden Einzelfall betrachten, sagte dazu Gerhard Müller vom Regierungspräsidium (RP). Beim Tierschutz würden die 1000 Meter in aller Regel beachtet.

Wäre der Vogel nicht entdeckt worden, hätte Modautal seine Sparbemühungen im Haushalt mit einer satten Finanzspritze unterstützen können. Juwi Wind garantierte ab 2014, dem voraussichtlichen Jahr der Inbetriebnahme, über 20 Jahre eine Mindestpacht von 2,12 Millionen Euro, dazu in diesem Zeitraum Gewerbesteuer von 612 000 Euro und eine Beteiligung am Nettostromerlös. Einstimmig hatten die Gemeindevertreter dem Vorhaben im Februar zugestimmt, das den Bau zweier Windräder mit einer Gesamthöhe von maximal 200 Meter bedeutet hätte.

Dass der Rotmilan erst nach so vielen Vorplanungen gefunden wurde, liegt am Ablauf des Prüfverfahrens: Das RP stellte zwar im April eine Karte mit auf Schutzgebiete oder Belange des Artenschutzes geprüften Windvorrangflächen auf. Allerdings gingen die Prüfungen nicht so ins Detail wie in einem Genehmigungsverfahren. Daten zum Vogelzug werden erst mit der Planung für ein konkretes Verfahren untersucht.

Volker Wilhelm will den Naturschutz nicht als Hindernis bewerten. „Ich finde es ganz gefährlich, ein Interesse gegen das andere ausspielen zu wollen.“ Fakt ist: Die Ökologie wird wichtiger. Karsten Heinrich von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises sagt, der Artenschutz sei deutlich gestärkt worden: „Da achtet man viel mehr drauf.“ (ers.)

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