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Spurensicherung am Tatort. Bei einer Schießerei in einer Rüsselsheimer Eisdiele starben im August 2008 drei Menschen.

Mord in der Eisdiele

Ein Schütze läuft noch frei herum

Im Rüsselsheimer Mordprozess beschuldigt einer der Angeklagten einen Türken, der nach der tötlichen Schießerei in einer Eisdiele untergetaucht sein soll.

Einer der Todesschützen von Rüsselsheim läuft noch frei herum - das behauptet der Angeklagte Taylan K. in einer am Mittwoch im Prozess am Landgericht Darmstadt verlesenen Erklärung, die er aus seiner Gefängniszelle an das Gericht geschickt hatte. Taylan K. muss sich zusammen mit zwei anderen Beschuldigten seit Mai wegen Mordes verantworten.

Bei der Schießerei zwischen Angehörigen zweier verfeindeter türkischer Familienclans in einer Rüsselsheimer Eisdiele waren am 12. August 2008 drei Menschen ums Leben gekommen, darunter eine unbeteiligte Frau. Der verlesenen Erklärung zufolge handelt es sich bei dem flüchtigen Schützen um einen 35 bis 38 Jahre alten Türken aus Dreieich, Vorname Hakan. Er sei seit der Tat untergetaucht, habe Namen und Aussehen geändert, erklärte der Angeklagte K. Richter Volker Wagner sagte, man habe Ermittlungen nach dem Mann eingeleitet.

Beobachtung aus erstem Stock

Im Mittelpunkt des ersten Prozesstags nach der Sommerpause standen die Auftritte zweier Zeugen: einer Rüsselsheimer Hausfrau, die aus ihrer Wohnung im ersten Stock das Geschehen in der Eisdiele beobachtet hatte, und eines Freundes der beiden Angeklagten der Familie E. "Da schießen sie schon wieder": Das sei ihre erste Reaktion gewesen, als es auf der Straße geknallt habe, berichtete die 40 Jahre alte Hausfrau. Die Zeugin trat ans Fenster und sah einen Mann, der auf den Rücken eines auf dem Boden liegenden anderen Mannes einzuschlagen schien. Später erkannte sie jedoch, dass er ein Messer in der Hand hielt.

Die Beobachterin sah aus ihrem Fenster den Mann mit dem Messer noch zweimal zu seinem Opfer zurückkehren und erneut auf den Liegenden einstechen. Aus der Befragung durch den Richter ging allerdings auch hervor, dass die Frau unter Alkoholproblemen litt, die sich gelegentlich auch auf ihr Erinnerungsvermögen auswirkten.

Der 20 Jahre alte Freund der Familie E., der in den vergangenen Jahren seinen Vater und einen Bruder durch Gewaltverbrechen verloren hat, beschrieb ein von ihm angeblich zufällig beobachtetes Treffen von 25 bis 30 Angehörigen des K.-Clans in Rüsselsheim wenige Tage vor der Bluttat, bei dem offenbar ein Überfall auf die konkurrierende Familie E. verabredet worden sei.

Aus Sicht des 20-Jährigen ist die E.-Sippe in der Eisdiele in eine Falle gelockt worden. Es seien durchweg Sportler gewesen, "ich kann mir nicht vorstellen, dass sie Waffen trugen". (bad)Fortgesetzt wird der Prozess am Mittwoch, 23. September.

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