Stefan Prasse vom Verein „ Mobile Retter Verein“ (links) und Initiator Marco Renth, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Groß-Gerau, präsentieren die App.

Groß-Gerau

App ruft Ersthelfer zu Notfällen

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Der Kreis Groß-Gerau beteiligt sich als erste Kommune im Land am System „Mobile Retter“. Die App soll Rettungsdienste unterstützen.

Marco Renth war mit seinen Kindern beim Eislaufen, als jemand mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand zusammenbrach. Der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes des Kreises Groß-Gerau fragte sich, warum niemand rief, ob ein Arzt anwesend sei. Stattdessen wartete man auf den Notarzt.

In Hessen ist laut Renth die Hilfsfrist von maximal zehn, mancherorts acht Minuten zwar sehr gut. „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand nimmt das Gehirn aber bereits nach drei bis fünf Minuten Schaden.“ Weil es so wichtig ist, dass Wiederbelebungsmaßnahmen so schnell wie möglich begonnen werden, sollen jetzt Privatpersonen die Rettungsdienste über die App „Mobile Retter“ unterstützen. Der Kreis Groß-Gerau beteiligt sich damit auf Anregung von Renth als erste Kommune in Hessen an dem Projekt des Kölner Vereins „Mobile Retter“.

Bislang ist das System in elf Kommunen aktiv. Bundesweit gibt 5300 aktive Mobile Retter, die per App gerufen werden können. „Wir könnten 10 000 Leben im Jahr retten, wenn das System bundesweit implementiert wäre“, sagte Stefan Prasse, Geschäftsführer des Vereins, am gestrigen Dienstag bei der Auftaktveranstaltung in Groß-Gerau. Man sei deshalb in Gesprächen auf Bundes- und Landesebene. Auch sei man bestrebt, die Krankenkassen kostenseitig zu beteiligen, so Prasse. Derzeit müssen die Kommunen die Kosten selbst tragen und sich auch um die datenschutzrechtlichen und versicherungstechnischen Aspekte kümmern. Für den Kreis Groß-Gerau bedeutet das jährlich Kosten von circa 30 000 Euro. „Es ist eine hervorragende Möglichkeit, unser Portfolio zu verbreitern“, sagte Landrat Thomas Will (SPD). Es gehe nicht darum, den Rettungsdienst zu ersetzen, sondern um die Überbrückung weniger Minuten. Oft seien als Ersthelfer ausgebildete Menschen nicht weit von Notfällen entfernt.

Technisch läuft es so ab, dass die Rettungsleitstelle des Kreises einen Herz-Kreislauf-Stillstand an den bundesweiten Alarmierungsserver weiterleitet, wie Timo Dreier von der Entwicklerfirma Medgineering erklärt. Das mit Google-Maps verknüpfte System erkennt, welche Retter am schnellsten vor Ort sein können, und benachrichtigt sie per App. Der Retter muss den Auftrag annehmen und sich dann zum Notfall begeben. Lehnt er ab, wird der nächste alarmiert. Laut Prasse werden derzeit täglich 20 bis 30 Mobile Retter alarmiert.

100 Personen aus den Reihen von Feuerwehr, Kreisverwaltung und Hilfsvereinen haben sich laut Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt bereits registriert. Diese seien auch schon geschult worden. Geeignet seien Personen, die einen medizinischen Hintergrund haben oder über Einsatzerfahrung verfügten – etwa Krankenschwestern, Feuerwehrkräfte oder Pfleger. Ohne die ehrenamtliche Beteiligung durch Vereine wie Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund oder DLRG sei das Projekt allerdings nicht umsetzbar, betont Renth.

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