Rüsselsheim

Tütenweise Probleme

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Die Integrationslotsen in Rüsselsheim haben immer mehr zu tun. Daher werden nun ehrenamtliche Helfer  gesucht.

Manchmal kämen Hilfesuchende mit ganzen Plastiktüten voller Dokumente, Briefe und Formulare, sagt Daniela Bonn-Lösch. Sie ist Integrationslotsin bei der Stadt Rüsselsheim. Das Problem vieler ihrer Klienten ist die Sprache: zu wenige Deutschkenntnisse und zu viele bürokratische Fachausdrücke, die selbst für Deutsche oft nicht verständlich seien.

Um ein Anliegen zu klären, müsse man mitunter zuerst mehrere andere Themen klären, sagt Bonn-Lösch. Und der Beratungsbedarf habe zugenommen, die Zahl der Fälle sei um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, sagt Mostafa Lyazami, der Integrationsbeauftragte der Stadt. 565 Einsatzstunden hätten die Integrationslotsen bereits in diesem Jahr geleistet. Bis zu 40 Personen suchen pro Woche Rat und Hilfe. Die meisten Anfragen kommen aus den Bereichen Gesundheit, Jobsuche, Kinderbetreuung und Wohnungssuche. Die Lotsen, von denen viele selbst Asylsuchende waren, begleiten die Flüchtlinge zu Ärzten und Anwälten, helfen Formulare auszufüllen oder verweisen die Ratsuchenden an die richtigen Stellen. Das geht nicht immer spurlos an den Ehrenamtlichen vorbei. „Wenn kleine Kinder dabei sind, die weinen, dann geht mir das ans Herz“, sagt Hadas Enbaye. Die Rüsselsheimerin spricht eritreisch und amharisch und ist eine der Lotsinnen der ersten Stunde. Sie selbst habe, als sie 1983 nach Deutschland kam, ähnliche Probleme gehabt. Deswegen sei sie froh, helfen zu können.

Die 2009 als Modellprojekt in Hessen eingerichtete Initiative sucht weitere Lotsen. Bisher sind Kenntnisse von 16 Sprachen – von Arabisch über Berberisch bis Rumänisch – im Pool der 23 ausgebildeten Lotsen vorhanden. Urdu sei jetzt leider weggefallen, was ein Problem darstelle, berichtet Lyazami.

Im dritten Stock des Rathauses sitzen während der Sprechstunden drei bis vier Lotsen. Ist eine bestimmte Sprache gerade nicht vertreten, wird dem Hilfesuchenden mit Händen und Füßen klargemacht, dass er an einem anderen Tag wiederkommen soll. Auch von Ämtern und Institutionen wie Jugendamt oder Schulen werden die Lotsen angefragt. Dann müsse man allerdings abwägen, ob nicht ein professioneller Übersetzer gebraucht werde, sagt Lyazami. Denn das seien die Lotsen nicht. „Lotsen sind keine Profis, sondern nur vermittelnd tätig“, betont Carmen Größ, Geschäftsführerin des Frauenzentrums Rüsselsheim.

In einem Arbeitskreis des Zentrums entstand die Initiative für das Lotsenprojekt. Es sei inzwischen Vorbild für andere Kommunen geworden, sagte Lyazami. Das Projekt wird innerhalb des Landesprogramms „WIR“ gefördert. Alle Lotsen sind ehrenamtlich unterwegs, erhalten jedoch fünf Euro pro Stunde als Aufwandsentschädigung.

Die Sprechstunden werden montags und mittwochs von 10 bis 12 Uhr angeboten. Außerhalb der Ferien auch donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Wer Lotse werden will oder Rat sucht, kann auch unter Telefon 06142/832059 oder -832367 anrufen oder eine Mail schreiben an integrationslotsen@ruessselsheim.de.

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