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Vorsicht ist wichtig beim Restaurieren der Ausstellungsstücke, weiß auch Heike Fuchs.
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Vorsicht ist wichtig beim Restaurieren der Ausstellungsstücke, weiß auch Heike Fuchs.

Rüsselsheim

Schätze vom Dachboden

Das Stadt- und Industriemuseum in Rüsselsheim bereitet eine besondere Ausstellung vor. Die Exponate, die dort zu sehen sein werden, stammen von den Dachböden oder aus den Kellern und Schuppen von Rüsselsheimern.

Mit einem in Ethanol getränkten Wattestäbchen und einem Skalpell löst Helen Jung den Schmutz aus den Ritzen. Wasser würde zu stark in die Emailleoberfläche eindringen, weiß die angehende Restauratorin, die im Museum in der Festung ein Praktikum macht. Lange haben die fünf „Opel-Augen“, die Vorgänger des Opel-Blitzes, im Sand vergraben gelegen. Kinder fanden sie 1993 beim Spielen am Mainufer. Dass sie diese Schätze im Museum abgaben, ist einer dieser Glücksfälle für Gudrun Senska, eine der Kuratorinnen der neu konzipierten Ausstellung im Stadt- und Industriemuseum in der Festung.

Zahlreiche der Exponate, die entweder schon in der alten Dauerausstellung zu sehen waren oder jetzt erst ins Licht der Öffentlichkeit rücken, stammen von den Dachböden, aus den Kellern oder Schuppen der Rüsselsheimer. Wie das emaillierte Werbeplakat für Maggis Würze: Es fand sich beim Entrümpeln und passt jetzt in die Reihe der Objekte, die vom Beginn der wunderbaren Konsumwelt bei der Lebensmittelversorgung erzählt.

Die Opel-Augen gab es in der Zeit zwischen 1910 und 1928, weiß Helen Jung aus ihren Recherchen. Über jedes Stück versuchen die Museumsfachleute, so viel wie möglich herauszufinden. Anfangs waren sie blau. „Diese hier, schwarz mit weißer Schrift, gehören eher ins Ende dieser Zeit.“ Nach Jahren im Depot kommen die fünf Opel-Augen jetzt zu Ehren als Exponate, die Opel-Firmengeschichte erzählen.

Gerade hat Restauratorin Heike Fuchs die Arbeit an einer alten Wanduhr beendet. Wie die Opel-Embleme hat auch sie ihren ersten Auftritt als Exponat in der neuen Ausstellung, die am 10. November eröffnet wird. Ein Wanderuhrmacher hat sie nach Rüsselsheim gebracht. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts mag das gewesen sein. Das Ziffernblatt ist handbemalt mit einem Bild des Marktorts „Tryberg“, die Uhr stammt noch aus dem Fundus des Heimatvereins, aus dessen Sammlung das Stadt- und Industriemuseum in der Festung ab 1976 hervorging.

Viele neue Exponate

Deshalb sind ihre Daten nicht nur im Computer, sondern noch auf einer A4-großen Karteikarte erfasst, die in einer Pappkladde steckt und die mehr verrät, als die Archivare wissen müssen: Der Uhrmacher hieß Andreas Weiser. Er starb in Rüsselsheim. „Sein neu verdientes Geld setzte er gewöhnlich in der Rüsselsheimer Wirtschaft Zur Rosenhöhe um“, notierten die Ortsgeschichtler vom Heimatverein.

Die Wanduhr erzählt zusammen mit der Rückentrage, mit der Andreas Weiser seine Ware durch die Lande trug, und vielen anderen Exponaten vom Handwerk und vom Marktgeschehen. Viele Ausstellungsstücke waren schon in der alten Dokumentation der Entwicklung Rüsselsheims bis 1945 zu sehen, manche sind neu oder werden in einen neuen Zusammenhang gestellt. Auch Forschungsergebnisse fließen in die Ausstellung ein, die die Stadtgeschichte bis 1945 dokumentiert.

Ein Stück nach dem anderen nehmen die Restauratorinnen Heike Fuchs und Julia Garve und Praktikantin Helen Jung in die Hand, reinigen und entstauben, bessern aus, was auszubessern ist, ohne dabei zu viel zu tun. „Restaurieren heißt, nicht neu machen. Ein Objekt darf ruhig Gebrauchsspuren zeigen“, erklärt Julia Garve, die gerade ein altes Opel-Fahrrad herrichtet, ein Opel Nr. 5 von 1922/23. „Und wenn man nicht gesichert sagen kann, wie etwas ausgesehen hat, dann lässt man es lieber“, ergänzt Heike Fuchs. So hat die Rückentrage des Wanderuhrmachers keine neue Schublade bekommen. vol

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