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Unweit des Rüsselsheimer Bahnhofs, wo eine Statue von Adam Opel steht, fielen Ende April die Schüsse. 

Rüsselsheim

Rüsselsheim: Schüsse im Bahnhofsviertel nach Streit

Vor dem Landgericht Darmstadt hat ein Prozess gegen einen 25-Jähriger begonnen. Der Rüsselsheimer wurde wegen Mordverdachts angeklagt. Zum Prozessauftakt schwieg der Mann.

Knapp acht Monate nachdem im Rüsselsheimer Bahnhofsviertel mehrere Schüsse gefallen sind, hat am Mittwoch vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gegen einen 25-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen versuchten Mordes angeklagt. Der Rüsselsheimer gehört einer 14-köpfigen Großfamilie an, aus der einige männliche Mitglieder schon mehrmals strafrechtlich aufgefallen sind.

Zuletzt hatte vor anderthalb Jahren vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt der Prozess gegen einen sieben Jahre jüngeren Bruder des Angeklagten begonnen. Den 18-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags angeklagt, nachdem er Ende März vorigen Jahres in der Rüsselsheimer Innenstadt einen ihm bis dahin unbekannten Mann mit einem Messer angegriffen und gezielt in den Bauch gestochen haben soll.

Sein sieben Jahre älterer Bruder muss sich nun vor der Elften Großen Strafkammer des Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Volker Wagner verantworten. Laut Staatsanwältin Eva Wörner soll der 25-Jährige am 27. April vorigen Jahres gegen 4 Uhr das Café „Sila“ an der Bahnhofstraße in Rüsselsheim betreten haben. Dort soll es zunächst zu verbalen Auseinandersetzungen mit dem Angehörigen einer anderen Familie gekommen sein.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, unvermittelt eine Schusswaffe gezogen und mehrfach auf sein Gegenüber geschossen zu haben. Der andere Mann soll jedoch geflüchtet sein und sich versteckt haben, woraufhin der Angeklagte die Bar verlassen habe. Zum Prozessauftakt schwieg der Beschuldigte.

Nach den Schüssen in der Rüsselsheimer Innenstadt hatten Staatsanwaltschaft und Polizei von einem Streit zwischen den beiden Großfamilien berichtet. Dabei sei ein Mann durch einen Streifschuss verletzt worden. Auch gegen den inzwischen 35-jährigen Geschädigten und seinen sechs Jahre jüngerer Bruder ermittelte die Staatsanwaltschaft. Die Verfahren wurden zwar vorläufig eingestellt, die Ermittlungen könnten aber gegebenenfalls wieder aufgenommen werden. Die Männer sollten am Mittwoch als Zeugen im Prozess gegen den 25-Jährigen aussagen. Doch die beiden, die ebenso wie der Angeklagte angaben, arbeitslos zu sein, beriefen sich auf das Auskunftsverweigerungsrecht nach Paragraf 55 der Strafprozessordnung. Demnach kann jeder Zeuge die Auskunft auf solche Fragen verweigern, „deren Beantwortung ihm selbst die Gefahr zuziehen würde, wegen einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit verfolgt zu werden“.

Wegen der umfangreichen kriminaltechnischen Untersuchungen mussten am letzten April-Wochenende vorigen Jahres größere Abschnitte der Bahnhofsstraße und der Waldstraße in der Rüsselsheimer Innenstadt für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Dabei wurden mehr als ein Dutzend Patronenhülsen und Projektile sichergestellt. Durch die Schüsse wurden auch zwei Autos sowie Gebäudefassaden und mehrere Fenster beschädigt.

Waffen fanden die Beamten allerdings auch bei den späteren Wohnungsdurchsuchungen nicht. Nach den Zeugenaussagen von Experten des hessischen Landeskriminalamtes, die Schmauchspuren an Kleidungsstücken ausgewertet haben, deutet einiges darauf hin, dass die Schüsse nicht bloß aus einer Schusswaffe abgegeben wurden.

Bis Ende April hat die Elfte Strafkammer 14 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

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