Spaziergänger finden in Rüsselsheim den Säugling im Gebüsch.
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Spaziergänger finden in Rüsselsheim den Säugling im Gebüsch.

Bilder sollen bei der Suche helfen

Rätsel um ausgesetztes Baby: Die Mutter muss in großer Not gewesen sein

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Die Rüsselsheimer Polizei fahndet nach den Eltern des ausgesetzten Neugeborenen. Beratungsstellen weisen auf Alternativen für Schwangere in Not hin.

  • Baby in Rüsselsheim ausgesetzt
  • Polizei fahndet nach den Eltern
  • Mutter des Kindes drohen bis zu zehn Jahre Haft

Update vom 21.01.2020, 14.06 Uhr: Noch immer fehlt von den Eltern des Neugeborenen, das in Rüsselsheim gefunden wurde, jede Spur. Die Ermittler haben jetzt Bilder von Kleidungsstücken des Kindes veröffentlicht. Darunter ein großes Tuch, in das das Baby gewickelt war, wie fnp.de* berichtet. Mit dabei war auch eine schwarze geflochtene Kette mit einem roten Kreuz. 

Dem Baby geht es mittlerweile wieder gut. Es befindet sich im Krankenhaus und ist laut Polizei „wohlauf“. 

Rätsel um ausgesetztes Baby: Die Mutter muss in großer Not gewesen sein

Baby in Rüsselsheim ausgesetzt

Erstmeldung, 20.01.2020: Rüsselsheim - Der Fund eines ausgesetzten Neugeborenen in Rüsselsheim (Kreis Groß-Gerau) beschäftigt weiter die Polizei und hat eine Welle von Adoptionsanfragen ausgelöst. Von der Mutter des Jungen, den Spaziergänger am Freitagabend in Rüsselsheim unweit des Flusses Horlache fanden, fehlt laut Polizei weiterhin jede Spur.

„Bisher sind die Hinweise sehr spärlich“, sagte Polizeisprecher Bernd Hochstädter am Montag der Frankfurter Rundschau. Es gebe Befragungen im Umfeld des Fundortes. In unmittelbarer Nähe stehen eine Reihe von Hochhäusern. Beamte würden nun Anwohner befragen, ob ihnen kürzlich eine schwangere Frau aufgefallen sei. Der Junge befinde sich weiterhin im Krankenhaus und sei in gutem Gesundheitszustand. Details zu den näheren Umständen des Fundorts und was das Kind außer dem Handtuch, in das es gewickelt war, bei sich hatte, will die Polizei spätestens heute veröffentlichen, um mehr Hinweise in der Sache zu erhalten.

Unklar ist, ob das Kind womöglich in der Nähe auf die Welt gebracht wurde oder zum Fundort gebracht wurde. „Beide Szenarien sind denkbar“, sagte Hochstädter. Laut der Ärzte habe das Neugeborene bei Temperaturen um die Null Grad nicht lange am Fundort liegen können. „Man kann nicht von Stunden sprechen,“ sagte der Polizeisprecher.

Ausgesetztes Baby von Rüsselsheim: Anfragen aus Österreich

Hilfe holen

Die Caritasbietet online und anonym unter www.caritas.de Beratung an.

Infos zu vertraulichen Geburtunter: www.geburt-vertraulich.de

Bundesweite Beratungs-Hotline„Schwanger und keiner darf es erfahren“ unter Telefon 0800 / 4040020. 

Der Mutter des Kindes drohen laut Polizei bis zu zehn Jahre Haft. Der Paragraf 221 Strafgesetzbuch sehe dieses Strafmaß vor, wenn das eigene Kind der Gefahr des Todes ausgesetzt werde.

Indes gibt es zahlreiche Anfragen von Paaren, die das Kind gerne aufziehen würden, so der Polizeisprecher. Nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland seien Mails gekommen, sogar aus Österreich.

Wenn die Eltern des Kindes nicht gefunden werden, soll der Junge dem Jugendamt übergeben werden und vermutlich in einer Pflegefamilie unterkommen. „Das Kind hat damit eine Perspektive, doch was ist mit der Mutter, die vermutlich ohne jede medizinische Versorgung entbunden hat?“, fragt Gabriele Hufen, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen in Mainz. Dieser betreibt in Mainz eine Babyklappe. Es ist laut Onlinedienst babyklappe24.de die nächstgelegene für Rüsselsheim. Seit 2002 wurden hier neun Säuglinge abgegeben. Vielen sei das Angebot nicht bekannt und es sei schwierig, dafür zu werben, da man Frauen nicht animieren wolle, ihre Kinder abzugeben, so Hufen.

Ausgesetztes Baby von Rüsselsheim: „Kindsabgabe ist die stärkste Form, sich selbst zu schützen“

Eine Alternative stellt die vertrauliche Geburt dar. Hierbei erhält die Mutter ein Pseudonym für eine Geburt im Krankenhaus, bei der sie nicht einmal ein Krankenkassenkärtchen vorlegen muss. Ihr echter Name wird jedoch gespeichert, so dass das Kind mit 16 Jahren einen Herkunftsnachweis bekommen kann. Neben der vertraulichen Geburt hätte für die Mutter des ausgesetzten Säuglings auch die Möglichkeit bestanden, anonym zu einer Beratung zu gehen, sagt Veronika Heck-Klassen, Fachreferentin für Familienhilfe des für Rüsselsheim zuständigen Caritasverbands Mainz. Die Angebote reichten von anonymen Telefon-Hotlines über anonyme Onlineberatung. Und auch die Mitarbeiterinnen in den Schwangerenberatung seien auf solche Fälle geschult. Aber manche Schwangere sei in solchen extremen Notsituationen, dass die „Kindsabgabe die stärkste Form ist, sich selbst zu schützen“, so Heck-Klassen.

Jährlich entscheiden sich nach Zahlen des Bundesfamilienministeriums 86 Frauen trotz der Möglichkeit auf eine vertrauliche Geburt für die anonyme Abgabe ihres Kindes in Babyklappen oder ähnliche Angebote, für anonyme Geburt oder Aussetzung. (mit dpa)

Auch in Ingelheim (Landkreis Mainz-Bingen) nahe Rüsselsheim ist ein neugeborenes Baby ausgesetzt worden. Von der Mutter fehlt jede Spur. 

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