Im Opel-Werk in Rüsselsheim werden wieder Autos produziert aber nur mit Mund-Nase-Schutz.
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Im Opel-Werk in Rüsselsheim werden wieder Autos produziert aber nur mit Mund-Nase-Schutz.

Rüsselsheim

Opel in Rüsselsheim: Autobau mit erhöhten Schutzmaßnahmen

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Die Produktion am Rüsselsheimer Stammwerk des Autobauers Opel läuft wieder. Die Metallgewerkschaft lobt die Corona-Maßnahmen als vorbildlich.

Mit Beginn der Frühschicht laufen seit dem gestrigen Montag wieder die Bänder im Opel-Stammwerk Rüsselsheim. 1500 Mitarbeiter haben nach zweimonatiger Corona-Pause ihre Arbeit wieder aufgenommen – mit einem „erweiterten Sicherheitsprotokoll“, wie das französische Unternehmen PSA mitteilte.

Wer das Werk betritt, muss zunächst einmal Fieber messen. Alle Mitarbeiter sind angehalten, Mund-Nasen-Bedeckungen und Schutzbrillen zu tragen und die Abstandsregeln auf dem gesamten Werksgelände, einschließlich der Pausen- und Raucherbereiche einzuhalten. Dafür wurden zahlreiche Bodenmarkierungen angebracht. Werkzeuge und Arbeitsflächen sollen häufig gereinigt werden und sämtliche Türen, auch Brandschutztüren, offenbleiben, um den Kontakt mit Türgriffen zu vermeiden.

Die IG Metall Darmstadt lobte die Schutzvorkehrungen als „Vereinbarung mit Vorbildcharakter für die gesamte Branche“. Vor allem, dass jede Stunde die Bänder angehalten werden sollen, um den Mitarbeitern eine zusätzliche bezahlte Pause zu gewähren, sei in anderen großen Firmen nicht unbedingt üblich, sagte IG-Metall-Geschäftsführerin Ulrike Obermayr der FR. Die zusätzlichen Pausen sollen als Ausgleich für das Tragen der Masken dienen, das nach einigen Stunden bei körperlicher Arbeit sehr unangenehm werden könne. „Die Kolleginnen und Kollegen waren nicht davon begeistert, Masken tragen zu müssen“, sagt Obermayr. Alles andere wäre jedoch „grob fahrlässig“. In diesem Zusammenhang lobte sie, dass alle Vorkehrungen aufgenommen worden seien, die nach medizinischen Erkenntnissen angebracht sind. Auch der Umgang mit Arbeitnehmern, die zu einer Risikogruppe gehören, sei gut geregelt. Diese könnten sich mit ärztlichem Attest bezahlt freistellen lassen.

Betriebsrente in Gefahr

Als erster deutscher Fertigungsstandort hatte das Komponenten- und Motorenwerk in Kaiserslautern die Produktion am 18. Mai wieder aufgenommen. Am 2. Juni folgte das Werk in Eisenach und nun das Stammwerk in Rüsselsheim, in dem die Endmontage des Flaggschiffs Opel Insignia stattfindet. Zuvor wurden laut Unternehmen an allen deutschen und internationalen Standorten der Groupe PSA in enger Abstimmung mit den Sozialpartnern und den Betriebsräten strenge Gesundheitsvorkehrungen umgesetzt. Viele Betriebe in Südhessen, für die die IG Metall Darmstadt zuständig ist, hätten trotz Corona-Pandemie „komplett durchgearbeitet“, sagt Obermayr.

Dass die Automobilbranche einen kompletten Lockdown vollzogen habe, sei dem Umstand geschuldet, dass der Absatz wegen der starken Kaufzurückhaltung während er Pandemie gesunken sei. Zudem habe es Probleme in der Zulieferung von Bauteilen gegeben.

Aber „unabhängig von Corona herrschte bei Opel eine massive Krise“, sagt Obermayr. Erst am vorigen Freitag wurde die Belegschaft in einer internen Mitteilung informiert, dass sie sich auf Einschnitte in der betrieblichen Altersvorsorge einstellen müsse. Betroffen seien rund 15 000 Mitarbeiter des Autobauers in Deutschland. Mit dem Betriebsrat sollen Verhandlungen über „eine grundlegende Modernisierung“ des Systems aufgenommen werden. Die zu 100 Prozent vom Unternehmen getragene betriebliche Altersvorsorge, sei „ein gewichtiger Kostenfaktor“.

Der Konzern hatte zuvor mitgeteilt, dass in Rüsselsheim künftig drei Modelle gefertigt werden sollen. Ab Sommer 2021 werde ein neues Modell der PSA-Premiummarke DS Automobiles in Hessen produziert. Zugleich sei geplant, den Bau von Getrieben und Schmiedeteilen im Stammwerk „im Laufe des Jahres 2021 auslaufen zu lassen“. (mit dpa)

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