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Im Opel-Altwerk, vor dem eine Statue von Firmengründer Adam Opel steht, sollen das Opel Forum mit der „Motorworld“ entstehen. 

Rüsselsheim

Opel-Altwerk in Rüsselsheim: Kritik an geplanter Revitalisierung

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Rüsselsheimer Bürgerinitiative befürchtet eine zu hohe Verkehrsbelastung und moniert den geringen Wohnungsanteil sowie das Hausrecht auf Wegen für den Investor.

Für die städtebauliche Entwicklung von Rüsselsheim wird dieses Jahr prägend werden. Das Erscheinungsbild der Innenstadt wird sich an einigen markanten Stellen verändern. „Wir haben viele Weichen gestellt, mit denen sich unsere Stadt weiterentwickelt“, kündigt der parteilose Oberbürgermeister Udo Bausch an. So soll demnächst das Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Karstadt unweit des Rathauses und des Marktplatzes abgerissen und Platz für einen Neubau geschaffen werden. Zudem soll mit der Bebauung des Quartiers im Ostpark begonnen.

Bis Mitte Februar werden sich die städtischen Gremien zudem mit den Plänen beschäftigen, das Opel-Altwerk am Bahnhofsplatz zu revitalisieren. Dort sollen nach den Vorstellungen einer Immobilienentwicklungsgesellschaft aus Baden-Württemberg Ausstellungsflächen, Wohnungen, Büros, Werkstätten, Handel, Kleingewerbe und ein Supermarkt entstehen. Die Activ-Group will das Areal mit dem alten Hauptportal als „Motorworld Manufaktur Rüsselsheim/Rhein-Main“ erschließen. Doch am Entwurf für den Bebauungsplan, den die Stadt unter der Bezeichnung „Opel Forum Rüsselsheim – Motorworld“ den Stadtverordneten vorlegt, gibt es Kritik.

WERKSGESCHICHTE

Von einer kleinen Werkstattam Rüsselsheimer Löwenplatz, wo zunächst Nähmaschinen produziert wurden, entwickelte sich das Opel-Werk zu einem der bedeutendsten deutschen Industrieunternehmen.

1868ließ Firmengründer Adam Opel im Bereich des heutigen Portalgebäudes den ersten Fabrikbau errichten. Das Werksareal wurde in den folgenden Jahrzehnten nach und nach von Osten nach Westen vergrößert. jjo

Unter der Überschrift „Stadtquartier geht anders!“ hat sich die Bürgerinitiative Pro Opel-Altwerk in einer Mitteilung zu Wort gemeldet. Die BI setzt sich bereits seit neun Jahren für die Entwicklung des alten Opelwerks als öffentliches innerstädtisches Quartier mit vielfältiger Nutzung unter Erhalt der denkmalgeschützten historischen Gebäude und unter Berücksichtigung der Interessen der Anlieger ein. Sprecher der BI ist der Stadtverordnete Heinz-Jürgen Krug (Die Linke/Liste Solidarität).

Laut Krug hat die BI zwar positiv zur Kenntnis genommen, dass das Backsteinensemble – entgegen früheren Überlegungen – durch den neuen Investor weitgehend erhalten werden soll. Dass allerdings durch die geplanten Nutzungen mit einer massiven Zunahme des motorisierten Verkehrs durch Lieferanten und Besucher der Motorworld gerechnet werden müsse, stoße seitens der Anwohner der Ludwigstraße und der Weisenauer Straße auf Empörung. So rechneten Verkehrsplaner mit täglich 7000 zusätzlichen Fahrten von Fahrzeugen. Allein auf der Ludwigstraße, die zur neuen Einfahrt des Opel-Altwerks führen soll, werde es mit 4000 zusätzlichen Fahrten zu einer Verdoppelung des Verkehrs kommen.

Kritisiert wird von der BI auch, dass in dem Quartier mit einem Anteil von 15 Prozent viel zu wenig Wohnungen entstehen sollen. Zwar soll im städtebaulichen Vertrag die öffentliche Nutzung der Wege, Straßen und Plätze rund um die Uhr vereinbart werden. Allerdings soll den Gesellschaften des Investors das Hausrecht zugestanden werden. „Somit würde es sich dann beim Altwerk nicht um einen für alle offenen Stadtteil handeln, sondern um eine Art Privatviertel“, moniert die BI. Die fehlende öffentliche Kontrolle über die Wege sei daher neben dem steigenden Verkehrsaufkommen und dem zu geringen Wohnungsanteil einer der Hauptkritikpunkte an den „zum Teil hochproblematischen Planungen“, so Krug.

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