Rüsselsheim

„Love Family Park“ in Rüsselsheim: 20.000 Besucher, ein Rhythmus

Der „Love Family Park“ stellt in Rüsselsheim ein Wochenende lang die Stadt auf den Kopf. 

Uffz, uffz, uffz – wer sich in Rüsselsheim nicht auskennt, braucht sich gar nicht durchzufragen, sondern muss nur dem fetten Bass folgen, der am trüben Samstagmorgen durch die Straßen wummert. Schon früh machen sich Menschenmassen vom Bahnhof aus auf, um auf direktem Wege zum Mainvorland zu gelangen, still und in Vorfreude, als wären sie magnetisch angezogen von dem, was vor ihnen liegt: Ein langer Tag mit Musik, Tanzen, Chillen und das Ganze wieder von vorne. „Love Family Park“ steht mit großen Buchstaben über der Eingangsschleuse.

Genauso lang sind die nächsten zwölf Stunden für die 1000 Menschen, die hier in zwei Schichten arbeiten müssen. Sie sollen Karten abreißen, für die Sicherheit sorgen, die Künstler betreuen oder Getränke herbeischleppen und noch mal Getränke herbeischleppen. Das Bier wird in Ein-Liter-Plastikkrügen ausgeschenkt, die langen Schlangen vor den Ständen reißen nicht ab.

Rund 20 000 haben ein Ticket gelöst und huldigen von 10 bis 22 Uhr den Stars der elektronischen Musik-Szene beim Akkord-Auflegen. Drei Bühnen sind auf dem bald braunen Rasenstreifen neben dem Main aufgebaut. Alle zwei Stunden wechseln die Musiker. Die meisten werden von Minute eins an frenetisch gefeiert. Mit dem ersten Ton fällt die Menge in den gemeinsamen Rhythmus. Alle zusammen und doch jeder für sich, versunken in den Beat oder mit weit geöffneten Armen. Jeder so, wie er mag.

Das ist wohl auch die Geschichte mit dem Herausputzen. Männer in Leoparden-Einteilern und Glitzer-Tattoos auf der Backe sind zu sehen. Frauen in Hotpants und bauchfreien Tops, mit breiten Hüten und getönten Brillen. Franzosen sind da, Spanier, Engländer, es ist ein so buntes wie internationales Partyvolk. Die Essensstände haben sich modern eingestellt, es gibt auch Veganes.

Manche sind mit dem Schiff angereist. Das „Love Boat“ mit Tanzfläche war in Frankfurt gestartet und bringt die Gäste nach dem Vorglühen auf dem Wasser direkt zum Anleger am Festivalgelände. Auch ein Hochzeitspaar aus Trebur, das nebenan in den Opelvillen den schönsten Tag des Lebens feiert, ist von der Festival-Stimmung angelockt worden und legt einen Spontanbesuch ein. Mitten in der Menge hat sich ein Männertrupp versammelt, um zum Techno Junggesellenabschied zu feiern.

Währenddessen wird in der Einsatzzentrale Lagebesprechung gemacht. Alle paar Stunden kommen hier Polizei, Veranstalter, Sanitäter und Security zusammen. Die Bilanz weist fast 300 Behandlungen wegen Blasen an den Füßen aus. Auch ein Meteorologe ist dabei, der permanent die Wetterlage scannt. Es könnte ja gewittern. Nicht weit entfernt zucken die Blitze. Im schlimmsten Fall müsste der Platz evakuiert werden.

Beim Rave in Rüsselsheim zucken an diesem Abend nur die Lichter. Zum Finale tritt auf der Hauptbühne DJ-Legende Sven Väth auf. Gut aufgelegt, wie immer. Der Sound knallt noch einmal so richtig über die Köpfe, Tausende tanzen im Schweißdunst. Ein würdiger Abschluss. Der lange Tag geht zu Ende, die Verlängerung gibt es auf den After-Show-Partys in Offenbach, aber auch in Rüsselsheim selbst. Manche Lokale bleiben extra länger geöffnet.

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