Das Hantieren mit Küchengeräten sind viele Kinder nicht gewöhnt.
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Das Hantieren mit Küchengeräten sind viele Kinder nicht gewöhnt.

Rüsselsheim

Alles wird probiert

Im GPR-Klinikum lernen Kinder gesundes Kochen. „Es stimmt nicht, dass Kinder nicht gerne kochen“, sagt Ernährungsberaterin Christine Nolle-Schmid. „Doch vielen fehlt es an Grundkenntnissen, weil sie zu Hause nicht in der Küche hantieren dürfen.“

Vanessa und Julia schnippeln Gurke und Paprika für den Salat, Paula behält die Makkaroni im blubbernden Wasser im Blick, Samira und Marlene studieren die Zubereitungsanleitung für die Vanillesoße. „Ich schäle, du schneidest“, schlägt Vanessa (Namen von der Redaktion geändert) vor und holt eine Salatgurke aus dem Einkaufskorb. Heute steht bei den Adifanten Kochen auf dem Programm. Die Mädchen und Jungen versuchen in einem Kurs des GPR-Klinikums abzunehmen und ein anderes Verhältnis zum Essen zu bekommen. Zwei Abende am Herd in der Lehrküche der Parkschule gehören bei der einjährigen Adipositas-Schulung dazu.

„Kinder lieben Nudeln“, weiß Ernährungsberaterin und an diesem Abend Chefköchin Christine Nolle-Schmid. Das ist auch gar nicht verwerflich, denn „es kommt auf die Begleiter an“. Keine fetten Käse-Sahne-Soßen. Besser viel Gemüse. Vanessa darf ihr Leibgericht Makkaroni mit Tomatensoße von der Oma also ohne schlechtes Gewissen weiter genießen. Die anderen Favoriten der Kinder – Pommes frites, Fertigpizza, Kroketten – enthalten sehr viel Fett und sollten deshalb nur ganz selten auf dem Speisezettel stehen, hat Christine Nolle-Schmid im Laufe des Kurses immer wieder erklärt. Fällt das schwer? „Och nö, es geht“, sagt Marlene.

Fastfood nur noch selten

Heute wandern die Nudeln zusammen mit Karotten, Paprika, Zucchini und passierten Tomaten in einen Gemüseauflauf. Zuvor gibt es einen bunten Salat, zu dem die Kinder eine von drei Dressingvarianten auswählen dürfen. Die mit Joghurt gefällt ihnen am besten, zusammengerührt aus einem 125-Gramm-Becher Joghurt, aber nur einem Teelöffel Öl, dazu Salz Pfeffer und frische Kräuter. Dass es Kinder bunt mögen, bringt der Paprikaschote und der Karotte Pluspunkte ein.

„Es stimmt nicht, dass Kinder nicht gerne kochen“, sagt die Ernährungsberaterin, „doch vielen fehlt es an Grundkenntnissen, weil sie zu Hause nicht in der Küche hantieren dürfen.“ Der Umgang mit Lebensmitteln, Küchengeräten und einfachen Rezepten soll den Spaß am Kochen wecken. Die Kinder sehen, wie eine Kartoffel geschält wird, welche Teile der Aubergine essbar sind und wo sich Fett versteckt. Julia nimmt schon wieder einen frischen Löffel zum Umrühren. „Menno, das müssen wir nachher alles wieder spülen“, schimpft ihre Kochpartnerin.

Auch auf den Nachtisch wird beim Menü nicht verzichtet, doch gilt wie immer: viel Obst, wenig Fett und Zucker. Es gibt Rhabarbergrütze. „Ihhh, Rhabarber“, schallt es Nolle-Schmid entgegen. Können diese Stangen, die so komische Fäden ziehen, überhaupt schmecken? „Ich muss natürlich auch Vorurteile gegenüber Lebensmitteln abbauen“, sagt die Ernährungsberaterin. Geköchelt mit ein wenig Zucker und vermischt mit Vanillesoße schmeckt der Rhabarber richtig lecker, sind sich nachher alle einig. „Eltern sollten nicht zu schnell akzeptieren, wenn die Kinder etwas nicht essen wollen.“ Alles wird probiert, heißt es bei den Adifanten. ( vol)

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