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Die im "Rind" genutzten Strohhalme aus PLA sind zwar biologisch abbaubar, doch bedarf es dafür einer industriellen Kompostieranlage. 

Rüsselsheim

Verpackungsmüll: Wie viel Plastik brauchen Kneipen? 

Wie viel Plastik braucht eine Kneipe? Die Kulturkneipe „Das Rind“ in Rüsselsheim geht mit gutem Beispiel voran. 

Das Umdenken begann bei Florian Haupt, als er einmal die Gäste eines Techno-Festivals mit Getränken versorgte. Die vielen Einwegbecher an seinem Stand waren ihm damals ein Dorn im Auge. Gut ein Jahr ist das jetzt her. Seitdem hat Haupt den Verpackungsmüll in der Kulturkneipe „Das Rind“, die er in der Mainstraße betreibt, deutlich reduziert. So kommen die Kekse zum Kaffee nicht mehr einzeln im Plastiktütchen daher, sondern werden im großen Glas gelagert, bis sie neben der Tasse drapiert werden.

 Erdnüsse gibt es nun ebenfalls im Glas statt aus der Tüte. Bei Toilettenpapier und Servietten setzt Haupt inzwischen auf recycelte Produkte. Letztere seien zwar doppelt so teuer wie in der herkömmlichen Variante, doch habe ein besonders umweltbewusster Stammgast ihm einen Vorrat geschenkt. Aus einem besonderen Kunststoff bestehen im „Rind“ indes die Strohhalme.

Plastikverbrauch: Schritt in die richtige Richtung 

Polylactid ist zwar biologisch abbaubar. Allerdings bedarf es dafür einer industriellen Kompostieranlage. Für Haupt ist es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung, mag er auch noch so klein. Denn überhaupt bestünden seine Bemühungen für eine umweltfreundlichere Gastronomie aus „vielen kleinen Babysteps“. Ein zu großer hygienischer Aufwand sei der Grund, warum er nicht ganz auf kleinteilige Verpackungen verzichtet. 

Dies gelte etwa für Kondensmilch. Würde er sie aus der Kanne anbieten, müsste er diese stets mit heißem Wasser reinigen, gibt Haupt zu bedenken. Sam Khayari, Chef des Chausseehauses in der Darmstädter Straße, verzichtet dennoch auf Kaffeesahne in der Plastik-Einwegverpackung. Es gibt „keine Strohhalme, keine Servietten als Untersetzer, keinen Zucker in Einzelverpackungen, keinen Kaffee in Einwegbechern.“ Die Kekse zum Kaffee würden selbst hergestellt. „In erster Linie geht es um Nachhaltigkeit“, sagt Khayari. Die Investition in Zuckergläser und Mehrwegbecher sei zwar am Anfang größer, aber mittelfristig spare man damit auch. Und: „Es macht weniger Müll.“ 

Plastikverbrauch: Frage der Frische 

Etwas anders ist die Situation im Café Jakob VI in der Marktstraße. Die Stullen und die Kuchenstücke haben einen Plastiktrennstreifen zwischen sich. „Das ist eine Frage der Frische“, sagt Sibel Uysal, die dort arbeitet. Auch die Kekse, die zum Kaffee gereicht werden, sind einzeln verpackt. Manches ginge „halt nicht ohne“, so Uysal. Von Plastikstrohhalmen habe man sich allerdings schon getrennt. Und an der Kaffee-Station gibt es Zucker – lose oder in Würfelform – aus einem großen Schraubglas. Daneben stehen auch Zucker-Briefchen und Einweg-Holzstäbchen – für die To-Go-Kunden. 

„Insgesamt ist mir aufgefallen, dass die Leute vermehrt keine Plastikdeckel mehr auf ihren To-Go-Kaffeebecher wollen“, erzählt Uysal. Wer schon mal in einem Hotel gefrühstückt hat, kennt wahrscheinlich die kleinen, einzeln verpackten Marmeladen-Portionen, Leberwurst in Plastikverpackung, Schmelzkäse in Alufolie. Nizar Ghandour, Leiter des MK-Hotels am Main, sieht das kritisch. „Das ist ein großes Thema“, sagt er. 

„Ich lege persönlich großen Wert darauf, dass wir so wenig Abgepacktes wie möglich haben.“ Im Frühstücksbereich werde alles mit gewöhnlichem Geschirr erledigt. Marmeladen und Honig würden aus Liter-Eimern in Schälchen umgefüllt. Ghandour schätzt den Anteil an Unverpacktem auf 95 Prozent. Zucker und Salz kämen ebenfalls aus Streuern. Nicht überall sei das vermeidbar, gibt der Hotelchef zu. „Bei Frischkäse zum Beispiel funktioniert es nicht so gut. Das kriegt man meist nur in Päckchen.“

Von Sven Westbrock und Stella Lorenz 

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