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In Rüsselsheim sollen sechs Männer Drogen an Kinder verkauft haben. (Symbolbild)

Dealerbande 

Drogen an Kinder verkauft – Sechs Männer vor Gericht 

In Rüsselsheim sollen sechs Männer Drogen an Kinder verkauft haben. Die Bande soll die Drogen aus ihrer Wohnung gedealt haben. 

Rüsselsheim – Von den sechs angeklagten Männern aus Rüsselsheim und dem gesamten Kreisgebiet war am ersten Verhandlungstag nichts zur Anklage zu hören. Die Männer stehen vor Gericht, weil sie von einer Wohnung in Rüsselsheim aus in mindestens 78 Fällen mit Cannabis, Haschisch und sogar Kokain gehandelt haben sollen. Dabei waren unter ihren Kunden laut Anklage auch zwölf- und siebzehnjährige Kinder. 

In einigen Fällen zählten zu den Straßenverkäufern des Sextetts auch eine Mutter und ihr zwölfjähriger Sohn. Vor der Dritten Großen Strafkammer am Landgericht in Darmstadt unter Vorsitz von Richter Jens Aßlinger versuchten die Pflichtverteidiger der sechs Männer, die zwischen 26 und 38 Jahre alt sind, gleich zu Prozessbeginn einen Deal auszuhandeln. Denn, so die Anwälte, es sei bei der „geringen Menge“ des in Rede stehenden Rauschgiftes nicht angemessen, elf Tage zu verhandeln. 

Rüsselsheim: Drogen an Kinder verkauft 

Der Kammervorsitzende ließ sich auf ein derartiges „Geschäft“ aber nicht ein. „Dann muss schon etwas Konkretes zur Sache kommen. Dann lässt sich allenfalls über eine Verkürzung des Verfahrens reden“, befand Jens Aßling. Die Angeklagten sollen sich im Mai 2018 zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um ihre schmalen Geldbeutel mit dem Verkauf von Drogen aufzufüllen. 

Ein 35-jähriger aus Nauheim soll, so die Anklage, die Geschäfte organisiert haben. Tatkräftig unterstützt worden sei der führerscheinlose Mann aus Nauheim dabei von seinem 26-jährigen Bruder. Dieser soll zunächst als sein Fahrer und Straßenverkäufer fungiert haben, innerhalb der Bande dann aber weitere Aufgaben übernommen haben. Ein weiteres 35-jähriges Gangmitglied aus Büttelborn soll laut Anklage das Rauschgift in einer Wohnung in der Hans-Sachs-Straße in straßentaugliche Portionen geteilt und den Vertrieb, unter anderem in Rüsselsheim am „Dicken Busch“, organisiert haben. 

Rüsselsheim: Angeklagte gingen keiner geregelten Arbeit nach 

Der Büttelborner war für die gesamte Buchhaltung der Bande zuständig, formulierte es die Anklage. Vier der Männer, so ihre Einlassungen zu den persönlichen Werdegängen, lebten in schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen. Immer wieder nur mehr oder weniger kurze Zeit bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt, war es ihnen bisher nach eigenen Angaben nicht gelungen, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. 

Auch ein 35-Jähriger, in dessen Keller die Drogen deponiert waren und der ein abgeschlossenes Studium als Mediengestalter und Designer vorzuweisen hat, ist keiner geregelten Arbeit nachgegangen. Anders ist es bei den 38-jährigen Zwillingbrüdern, die in ihrem Garten in Bischofsheim 20 weibliche Cannabispflanzen wachsen ließen. Diese beiden Männer haben nicht nur eine Ausbildung, sondern ihren eigenen Angaben nach ein „auskömmliches Einkommen“, also feste Arbeitsstellen. Acht der Cannabispflanzen in ihrem Garten waren bereits abgeerntet, als die Polizei zugriff. Am Freitag soll in Darmstadt weiterverhandelt werden. Dann stehen die ersten Zeugen auf dem Programm der Großen Strafkammer.

Walter Scheele

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