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Schäfer Ben Klepp, Landschaftspfleger Petejavascript:r Pohlmann und Andreas König (v. l.) setzen Gras aus.
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Schäfer Ben Klepp, Landschaftspfleger Petejavascript:r Pohlmann und Andreas König (v. l.) setzen Gras aus.

Mörfelden-Walldorf

Der rote Schimmer kehrt zurück

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Ein Artenschutzprojekt sorgt dafür, dass das kleinste Gras der Welt wieder wächst.

Die meisten würden den Winzling namens Mibora minima wohl übersehen. Vielleicht würde ihn auch keiner vermissen, höchsten irgendwelche Ästheten, die sich noch an die kupferroten Flächen erinnern, die sich früher bei Mörfelden-Walldorf im März ausdehnten – und natürlich Botaniker. Dabei ist das Sand-Zwerggras nicht nur das kleinste Gras der Welt, sondern auch eine der „Zeigerpflanzen für Biotope“, wie Andreas König, stellvertretender Direktor des Botanischen Gartens Frankfurt, sagt.

Wo diese seltenen Pflanzen gedeihen, da siedeln auch andere bedrohte Arten. Leider setzt die Bewirtschaftung der Nutzflächen mit ihrer Düngung und ihrem Zuwuchs dem wilden Grünzeug immer mehr zu. In den vergangenen 15 Jahren ging der Bestand von Hunderttausenden Pflanzen auf null zurück, wie die Stadt Mörfelden-Walldorf mitteilt.

Das Sand-Zwerggras ist zudem eine jener seltenen Arten, für deren Erhaltung das Land Hessen eine besondere Verantwortung besitzt, weil es ursprünglich seinen Verbreitungsschwerpunkt in Südhessen hat. Deswegen haben König und seine Mitarbeiter gemeinsam mit den zuständigen Naturschutzbehörden und -verbänden in der vergangenen Zeit eine Menge zu tun gehabt. König ist Leiter des auf fünf Jahre angelegten Projekts „Erhaltungskulturen heimischer Pflanzenarten“. Ziel ist es, den Gefährdungsgrad von 15 Pflanzenarten, die derzeit auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, durch Wiederansiedlung zu reduzieren.

Samen für 100 Jahre

Mibora minima macht dabei den Anfang bei der Auswilderung: In den vergangenen Wochen wurden allein 300 Zwerggraspflänzchen – gezüchtet im Botanischen Garten – auf einer Fläche zwischen Bertha-von-Suttner-Schule und Bahnlinie bei Mörfelden-Walldorf angepflanzt. „Wir hoffen, dass die Pflanzen Samen produzieren können und sich ein kleiner Bestand entwickelt“, sagt König.

Weitere Auswilderungen fanden in Maintal-Dörnigheim und in Rodenbach bei Hanau statt. Das Gras wächst gerne auf sandigen Äckern. Bei Mörfelden-Walldorf kümmert sich jetzt ein Schäfer darum, dass die Grasfläche offen bleibt und die neuen Pflanzen gedeihen können.

220 000 Euro Fördergeld hat die KfW-Stiftung für das Projekt zur Verfügung gestellt. Das meiste davon gehe für das Sammeln der Samen drauf, sagt König. Denn das sei „keineswegs trivial“ und müsse nach bestimmten Richtlinien geschehen. Etwa dürften nur fünf Prozent eines Saatguts an einem Vorkommen gesammelt werden und dieses muss von möglichst vielen verschiedenen Pflanzen genommen werden.

Die jetzt verpflanzten Zwerggrassetzlinge stammen alle von Samen aus einem Gebiet bei Königstädten, einem Stadtteil von Rüsselsheim. „Dort liegt das letzte große Vorkommen von Sand-Zwerggras in Hessen“, sagt König.

Im Botanischen Garten werden die Samen gelagert und kultiviert. Von dort stammen alle zur Auswilderung gedachten Pflanzen beziehungsweise Samen zur Aussaat. Außer Zwerggras sollen in der nächsten Zeit auch andere bedrohte Arten wie Heide-Wicke und Hügel-Knäuelkraut gepflanzt werden. Im Naturschutzgebiet „Griesheimer Düne und Eichwäldchen“ bei Darmstadt etwa soll bald wieder die Sand-Silberscharte und der Acker-Schwarzkümmel erblühen. Gerade kommt Projektleiter König vom Arthur-Felsen an der Lahn zurück, wo Fünfmänniger Spörgel angepflanzt wurde. Auch das Nelkengewächs ist ein Winzling und gedeiht am besten auf Felsen.

Für das Artenschutzprojekt ist das letzte Jahr angelaufen. Doch laut König wurden dabei so viele Samen gesammelt, dass man gerne andere Projekte unterstützen könnte. „Die Samen kann man auch in 100 Jahren noch aussähen“, sagt er. Aber hoffentlich müssen sie nicht so lange warten.

Exkursion zum Zwerggras am Samstag 15. April, 10 Uhr, Rüsselsheim-Königstädten. Anmeldung und Infos über die Naturschutz-Akadamie Hessen im Internet unter www.na-hessen.de.

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