+
Museumsleiter Peter Brunner mit einem Büchner-Porträt. 

Riedstadt

Riedstadt: Krieg den Palästen, Ehre dem Revolutionär Georg Büchner

  • schließen

CDU und Grüne im Landtag beantragen dreijährige Landesförderung, um das Erbe des Dichters Georg Büchner in Ehren zu halten und das Büchnerhaus sowie die Büchner-Bühne in Riedstadt mit jährlich 75 000 Euro zu unterstützen.

Es sind revolutionäre Worte, mit denen in Riedstadt-Goddelau auf das Geburtshaus von Georg Büchner aufmerksam gemacht wird. „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ – der bekannte Aufruf aus dem im Frühjahr 1834 von Büchner verfassten Hessischen Landboten – steht in Frakturschrift auf einem Banner, das am Zaun vor dem Fachwerkhaus angebracht ist. In seiner Flugschrift prangerte Büchner die Verschwendungssucht der Reichen und Mächtigen an und rief die arme Landbevölkerung zum Umsturz auf.

Um das Leben und Wirken Georg Büchners noch bekannter zu machen, wollen die Koalitionsfraktionen von CDU und Grünen im Hessischen Landtag nun während der anstehenden Haushaltsberatungen beschließen, der Stadt Riedstadt in den nächsten drei Jahren jeweils 75 000 Euro als Landesförderung für das Büchnerhaus in Goddelau und die Büchner-Bühne im Stadtteil Leeheim zur Verfügung zu stellen. Das haben die Landtagsabgeordneten Ines Claus (CDU) und Nina Eisenhardt (Grüne) am Donnerstag im Büchnerhaus angekündigt. Mit dem Geld soll auch ein Gutachten finanziert werden, in dem beschrieben werden soll, wie das im Geburtshaus befindliche Museum in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden kann.

Trägervereine fusionieren

In dem 1665 erbauten Fachwerkhaus an der Weidstraße, das sich im Besitz der Stadt Riedstadt befindet, die sich seit dem vergangenen Jahr mit dem Titel „Büchnerstadt“ schmücken darf, wurde am 17. Oktober 1813 der spätere Dichter, Revolutionär und Naturwissenschaftler als erster Sohn des Arztes Ernst Büchner und seiner Frau Caroline geboren.

Bereits seit 1995 setzt sich ein Förderverein für den Erhalt und die Öffnung des Gebäudes ein. Engagierten Bürgern ist es zu verdanken, dass der Abriss des baufälligen Hauses verhindert und mit verschiedenen Spendenaktionen erreicht werden konnte, dass das Haus saniert wurde.

Von Goddelau zur Weltbühne: Im Geburtshaus von Georg Büchner befindet sich das Museum. 

Nach Angaben von Bürgermeister Marcus Kretschmann (CDU) trägt die Kommune die laufenden Unterhaltskosten und finanziert seit knapp drei Jahren auch die halbe Stelle von Museumsleiter Peter Brunner, der von 1980 bis 1991 Geschäftsführer des Hessischen Verleger- und Buchhändler-Verbandes war.

Laut Brunner haben die Dauerausstellung „Von Goddelau zur Weltbühne“ seit der Eröffnung 1997 mehr als 30 000 Menschen – darunter zahlreiche Schulklassen – besucht. Im vorigen Jahr konnte für 80 000 Euro ein überdachter Veranstaltungsraum im Hof des Anwesens, die „Büchnerscheune“, fertiggestellt werden.

Die 2008 aus einer Initiative des aus Goddelau stammenden Regisseurs und Schauspielers Christian Suhr entstandene Büchner-Bühne, die sich im früheren Feuerwehrhaus im Stadtteil Leeheim befindet, realisiert jedes Jahr mit einem zwölfköpfigen Ensemble rund 170 Aufführungen, die von mehr als 7000 Gäste besucht werden. Gleichwohl bezeichnet Suhr die Arbeitsbedingungen als „prekär“, weil die Probenarbeit nicht bezahlt wird und die Grenzen der Leistungsfähigkeit aller Beteiligten schon längst überschritten sei.

Die Stadt unterstützt laut Bürgermeister Kretschmann die Aktivitäten der beiden Einrichtungen mit rund 150 000 Euro. Der Kreis Groß-Gerau bezuschusst die beiden Trägervereine seit 2019 mit jeweils 30 000 Euro.

Unter dem Motto „Büchner findet statt!“ haben die Bühne, das Haus und die Stadt zum Jahresbeginn einen gemeinsamen Veranstaltungskalender herausgebracht. Zudem ist geplant, in diesem Jahr die beiden Vereine organisatorisch zusammenzuführen.

Das Büchnerhaus, Weidstraße 9, in Riedstadt-Goddelau ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Infos zur Büchner-Bühne, Kirchstraße 16, in Riedstadt-Leeheim gibt es unter www.buechnerbuehne.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare