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Justitia

Amtsgericht Groß-Gerau

Prozess um Baby in Lebensgefahr

Eine junge Mutter aus Mörfelden-Walldorf wird wegen fahrlässiger Körperverletzung vom Amtsgericht Groß-Gerau zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sie hat ihr Kind zu spät ins Krankenhaus gebracht.

Eine 24 Jahre alte Frau aus Mörfelden-Walldorf ist am Dienstagnachmittag vom Amtsgericht Groß-Gerau wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1040 Euro verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss sie 500 Euro an den Groß-Gerauer Kinderschutzbund zahlen.

Ihr war vorgeworfen worden, ihr neugeborenes, schwer erkranktes Kind nicht schnell genug in ein Krankenhaus gebracht zu haben. Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklageschrift von einer Misshandlung von Schutzbefohlenen ausgegangen, da eine Schwester der 24-Jährigen angegeben hatte, der Säugling sei bereits mehrere Tage schwer krank gewesen und habe keine medizinische Versorgung erhalten. Die Eltern sowie eine weitere Schwester der Angeklagten sagten allerdings aus, dass es dem Kind noch einen Tag zuvor gut gegangen sei.

Kind leidet an schwerem Durchfall

An Heiligabend 2010 hatte die neugeborene Tochter der Angeklagten Durchfall und musste sich erbrechen. Die Frau, die über kein Auto verfügte, rief beim ärztlichen Bereitschaftsdienst an. Dort erhielt sie die Auskunft, dass sie einen Krankenwagen anfordern solle.

Die junge Mutter rief daraufhin bei der Rettungsleitstelle an. Da ihr mitgeteilt wurde, dass ihre beiden anderen Kinder nicht im Rettungswagen mitfahren könnten, entschied sie sich jedoch gegen den Transport ins Krankenhaus. Im Lauf des Abends organisierte ihre älteste Schwester schließlich ein Auto und brachte das Kind nach Rüsselsheim in die Klinik.

Wie Staatsanwältin Nina Reininger erklärte, sei das Kind schwer dehydriert gewesen. Zudem sei eine Schocksymptomatik festgestellt worden. Weiter wies die Staatsanwältin darauf hin, dass das Kind bei seiner Einlieferung nur knapp 2900 Gramm gewogen habe – viel zu wenig für ein Anfang November geborenes Baby. Im Krankenhaus nahm es rasch auf 3700 Gramm zu.

Mädchen hätte sterben können

Ein Arzt aus dem Krankenhaus sagte vor Gericht aus, dass sich das Kind in einem sehr kritischen Zustand befunden habe. Nur wenig später – so die Befürchtung des Mediziners – wäre es ohne ärztliche Behandlung vermutlich gestorben.

Richterin Sabine Burkhard sagte in ihrer Urteilsbegründung, dass die Angeklagte zu spät reagiert habe. Von einer Mutter, die schon zwei Kinder hat, erwarte sie, eine solche Gefahrensituation zu erkennen und angemessen zu handeln, sagte die Richterin. Eine Unterversorgung des Kindes könne allerdings nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Die kleine Tochter und die beiden anderen Kinder der Mörfelden-Walldorferin leben zurzeit in Pflegefamilien. (ers.)

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