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Als der Flüchtige aufgibt, werden ihm sofort Handschellen angelegt.

Rüsselsheim

Schüsse in Bein und Schulter

Die Polizei fasst einen Bankräuber in der Innenstadt. Der 39-Jährige ist polizeibekannt: Er hatte bereits zwei Banküberfälle verübt und war zur Bewährung auf freiem Fuß.

In der Rüsselsheimer Marktstraße ist Freitagmittag einiges los. Gegen 13 Uhr nutzen viele Arbeitnehmer ihre Pause für einen Imbiss beim Bäcker oder Metzger und erledigen Einkäufe. Ein Passant nimmt wahr, wie ein untersetzter Mann mit blauer Arbeitshose und blauem Anorak die SEB-Bank betritt. In der Hand hält er eine Pistole. Der Mann wählt sofort den Notruf der Polizei. Die rast mit allen verfügbaren Kräften in die Innenstadt, allerdings ohne Martinshorn, um den Täter nicht zu warnen. In kürzester Zeit ist die Bank umstellt und die gesamte Fußgängerzone wird durch Polizeibeamte gesichert.

Als der Bankräuber mit einigen tausend Euro Beute arglos die Bank verlässt, wird er sofort von Zivilfahndern umringt. Der Aufforderung, stehen zu bleiben, folgt er nicht. Einer der Beamten schießt dem Mann ins Bein. Dieser rennt durch einen Verbindungsweg zum Löwenplatz davon. Mehrere Fahnder folgen ihm, es fallen noch zwei Schüsse. Der Bankräuber wird wieder am Bein und an der Schulter getroffen, bevor er aufgibt. Sofort werden ihm Handschellen angelegt. Als die Schüsse fallen, rennen zahlreiche Passanten weg, andere suchen Schutz in den umliegenden Geschäften.

Erinnerungen ans Eiscafé

Sofort werden Erinnerungen an die Schießerei in einem Rüsselsheimer Eiscafé vor eineinhalb Jahren wach, bei der eine unbeteiligte Frau starb. "Wir haben sofort die Tür unserer Praxis abgeschlossen", berichtet eine Zahnarzthelferin. In einem Imbiss direkt am Tatort gehen die Menschen hinter der Theke in Deckung.

Erst als die Polizei die Lage unter Kontrolle hat, trauen sich die Passanten wieder hervor. Der Täter liegt am Boden und wird von mehreren Beamten in Schach gehalten, der Tatort weiträumig abgesperrt. Hinter den Absperrungen versammeln sich Hunderte Schaulustige. Die frühere Grunpassage und die Marktstraße an der SEB-Bank sind für mehrere Stunden nicht passierbar. Von einer Polizeieskorte wird der Bankräuber ins Rüsselsheimer Krankenhaus begleitet. In seiner Umhängetasche hatten die Beamten noch die Attrappe einer Handgranate gefunden. Lebensgefahr besteht nicht, der Mann soll noch am gleichen Tag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Inzwischen machen sich Mitarbeiter der Spurensicherung an die Arbeit, über der Innenstadt und im Mainvorland knattert ein Hubschrauber. Es ist nicht ganz klar, ob der Bankräuber womöglich einen Komplizen hatte, der unerkannt verschwinden konnte. Norbert Drexler, Inhaber der Metzgerei Schneider, ist erschüttert. Kaum habe Rüsselsheim den negativen Ruf nach der Schießerei im Eiscafé einigermaßen überwunden, passiere so etwas.

Laut Auskunft der Polizei handelt es sich bei dem Bankräuber um einen 39 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg. Der polizeibekannte Mann hat bereits Banküberfälle in den Jahren 1990 und 2001 verübt. Wegen des letzteren Überfalls verbüßte er eine mehrjährige Haftstrafe bis Mitte des vergangenen Jahres. Bis zu seiner heutigen Festnahme war er zur Bewährung auf freiem Fuß.

"Ob der Schusswaffengebrauch gerechtfertigt war, wird im Rahmen der Ermittlungen geklärt", sagte Polizeisprecher Markus Sabais auf die Frage, ob diese Form des Zugriffs in einer belebten Fußgängerzone nicht zu gefährlich sei. Wie viele Kunden sich während des Überfalls in der Bank befanden, stand am Freitagnachmittag noch nicht fest.

Mit einem Raubüberfall auf eine Sparkassenfiliale am Donnerstagnachmittag hatte der Überfall anscheinend nichts zu tun. Ein bewaffnetes Räuberduo erbeutete nach Angaben der Polizei 6000 Euro. Nur wenige Minuten später überfiel ein weiterer Mann ein Haushaltswaren-Geschäft an der Königstädter Forsthausstraße. Auch er bedrohte die Angestellte mit einer Pistole und erbeutete nach Auskunft der Polizei mehrere 100 Euro. (es/hde/plu)

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