Messerstecherei auf Abi-Party

Schock nach Tod des Ex-Schülers

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Der 18-jährige Tatverdächtige aus Langen hat gestanden. Hergang und Motiv der Messerstecherei Samstagnacht in Mörfelden-Walldorf sind jedoch weiter unklar. Von Meike Kolodziejcyk

Der Schock sitzt tief. Bestürzt schauen die drei Abiturientinnen der Bertha-von-Suttner-Schule vor sich auf den Boden oder aus dem Fenster. So richtig fassen können sie nicht, was da Samstagnacht passiert ist. Auf ihrer Party. Dabei hatte diese schreckliche Sache doch direkt überhaupt nichts mit ihnen, ihrer Jahrgangsstufe, ihrer Schule zu tun.

Das betonen sie immer wieder, deswegen wollen die drei Mitorganisatorinnen der Abi-Vorfinanzierungsfeier auch ihre Namen nicht nennen. Außerdem hätten sie weder von der Tat, noch von deren Vorgeschichte etwas mitbekommen, "wir waren ja drinnen in der Halle", sagt eine. Die Messerattacke aber, an deren Folgen ein 18-jähriger Walldorfer starb, ereignete sich kurz vor Mitternacht auf dem Parkplatz vor dem Vereinsheim der Sport- und Kulturgemeinschaft 1888 Walldorf (SKG).

Unter einem Baum liegt dort am Montag ein Strauß roter Rosen. Die vier Kerzen daneben hat der Regen längst gelöscht. Abends um halb acht wollen sich die Zwölftklässler der Suttner-Schule am Tatort treffen, um ihres ehemaligen Mitschülers zu gedenken. Das Opfer besuchte die Integrierte Gesamtschule bis Klasse neun und begann danach eine Ausbildung. Insofern besteht zwar eine Verbindung zur Schule - die aber den tödlichen Angriff nicht erklärt.

"Das hätte prinzipiell auf jeder öffentlichen Veranstaltung passieren können", meint Oberstufenleiter Klaus Reichert-Girardin. Dass Jugendliche herumpöbeln oder sich prügeln, sei schließlich nicht selten. Dass ein Streit derart endet, allerdings schon. Dabei hatte der Jahrgang, der die Party organisierte, um Geld für die eigentliche Abifeier im Juni zu sammeln, extra Sicherheitspersonal angeheuert. Man habe aus den vorigen Jahren gelernt, in denen oft ungebetene Gäste Schulfeste gestört hätten, sagt Reichert-Girardin.

Der 18-jährige Tatverdächtige aus Langen, der noch in der Nacht auf Sonntag festgenommen wurde, habe die Attacke gestanden und sei am Montag dem Haftrichter vorgeführt worden, teilte die Polizei mit . Seit dem sitze er in Untersuchungshaft. Hinweise auf Alkoholeinfluss gebe es nicht - ebenso wenig wie Erkenntnisse über genauen Hergang und Motiv der Tat.

Sebastian Cornels kann da etwas mehr sagen. Er ist der Vorsitzende von "Delirium Merfelle", einem Verein für "Sport, Freizeit und Heavy Metal", der auch gelegentlich Aufgaben im Sicherheitsdienst übernimmt. Zum Beispiel bei der Party am Samstag. Nach einer Rangelei an der Theke seien sie zu Hilfe geeilt, hätten die beteiligten Jugendlichen - laut Cornels etwa drei bis vier pro Gruppe - nach draußen begleitet und dort versucht, zwischen den zwei Parteien zu vermitteln. "In dem Moment hat plötzlich einer das Messer gezogen." Es sei sehr schnell und auch ein paar Meter entfernt geschehen, sodass es niemand habe verhindern können. Womöglich habe sich der Täter zuvor gar nicht in der Halle aufgehalten. "Wir sind alle jahrelang im Sicherheitsdienst tätig und professionell ausgebildet", sagt Cornels, "aber so etwas Schlimmes haben wir noch nie erlebt". Der Fall habe sie "sehr mitgenommen" - zumal einer der Security-Männer mit dem Opfer befreundet gewesen sei.

"Von seinem Tod haben wir erst am Sonntag erfahren", sagt eine der Party-Organisatorinnen. Weil der 18-Jährige nicht am Tatort, sondern erst später an inneren Blutungen infolge des Bauchstichs starb, sei zunächst nur von einer Schlägerei mit Messermissbrauch die Rede gewesen. Daher feierten die Abiturienten bis etwa zwei Uhr nachts weiter. Am Montag haben sie ein Kondolenzschreiben an die Familie des Getöteten verfasst.

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