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Mit diesem Phantombild fahndete die Polizei fast 40 Jahre nach dem Täter.

Mörfelden-Walldorf

Mord nach 40 Jahren aufgeklärt

Dank moderner DNA-Analyse ist es der Kripo gelungen, den 40 Jahre zurückliegenden Mord an dem damals 35 Jahre alten Horst Günter Trapp aus Walldorf aufzuklären. Der Täter geht dennoch straffrei aus.

Er gehört zu den mit am längsten unaufgeklärten Kapitalverbrechen im Kreis Groß-Gerau – der vermeintliche Mord an dem 35-jährigen Horst Günter Trapp aus Walldorf vor 40 Jahren. Dank moderner DNA-Analyse, wegen der die Akte noch einmal geöffnet wurde, ist es Kripo und Staatsanwaltschaft jetzt gelungen, das Verbrechen aufzuklären. Der mutmaßliche Tatverdächtige kann allerdings nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden: Der Thüringer ist Anfang Januar laut Polizei im Alter von 72 Jahren gestorben. Damit bleibt nicht nur die Tat ungesühnt, sondern auch ihre Hintergründe für immer im Dunkeln.

Am 6. März 1972 war der Forstmann Ernst Schnell auf der Unteren Feldschneise am Waldrand zwischen Mörfelden und Walldorf unterwegs, als er am Wegrand eine männliche Leiche findet. Daneben eine zersplitterte Bierflasche und eine ebenfalls zertrümmerte Wasserflasche.

DNA-Analyse überführt Täter

Trotz fehlender Ausweise und persönlicher Gegenstände – die Taschen des Toten sind geplündert, die Leiche teilweise entkleidet – wird der Tote bald als der Walldorfer Horst Günter Trapp identifiziert. Er ist an Hieb- und Stichverletzungen verblutet, die er am Vorabend erlitten hat, ergibt die Obduktion. Außer den zerschlagenen Flaschen findet die Kripo neben der Leiche auch ein blutverschmiertes Küchenmesser mit rotbraunem Holzgriff und zwölf Zentimeter langer gezackter Klinge gefunden.

Aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung verdichtet sich die Annahme, dass es sich bei dem mutmaßlichen Mörder Trapps um eine Zufallsbekanntschaft aus dem Obdachlosenmilieu handelt. Zeugen hatten Trapp am Tattag in Begleitung eines unbekannten Manns gesehen, wohl auf einer Sauftour, wie die Polizei damals vermutet.

Bis auf die rund fünf Stunden vor seinem Tod gelingt es der Polizei, den Tagesverlauf des seit Kurzem arbeitslosen Walldorfers zu rekonstruieren. Knapp eine Woche nach der Tat liegt ein erstes Phantombild des möglichen Täters vor.Klar ist für die Kripo mittlerweile auch, dass es sich um einen Raubmord gehandelt haben muss: Trapps Geldbörse mit 300 Mark Inhalt fehlt ebenso wie seine Armbanduhr, ein Schmuckring, der Ausweis, eine DDR-Ausweiskarte und ein Schlüsselmäppchen.

Obwohl mehr als 100 Hinweise aus dem gesamten Bundesgebiet eingehen, verläuft die Suche nach dem etwa 22 bis 28 Jahre alten, rund 165 Zentimeter großen, schlanken Mann mit dunkelblondem langem Haar, schmalem Gesicht, großer gerader Nase und senkrecht verlaufender 2,5 Zentimeter langer Narbe auf der Stirn im Sand.

Zum Verhängnis wird dem Unbekannten 40 Jahre später seine eigene Strickjacke, die er nach der Tat gegen die Windjacke seines Opfers getauscht hat: Sein DNA-Profil ist aufgrund verschiedener Verurteilungen wegen Betrügereien aktenkundig. (gil.)

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