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Informationen über legale Waffen und ihre Besitzer werden ab 1. Januar 2013 zentral erfasst.

Kreis Groß-Gerau Waffen

Mehr Arbeit für die Verwaltung

Das neues Waffenregister beschäftigt die Mitarbeiter des Groß-Gerauer Landratsamtes. Waffen und ihre Besitzer sollen ab 1. Januar 2013 zentral erfasst werden, damit Sicherheitsbehörden bundesweit auf einen einheitlichen Datenpool zurückgreifen können.

Informationen über legale Waffen und ihre Besitzer sollen ab 1. Januar 2013 zentral im neuen Waffenregister erfasst sein. Doch welche Auswirkungen hat die Änderung auf die Arbeit der zuständigen Behörden und das Vereinsleben der Schützenvereine in der Region?

Die Verwaltung im Kreis Groß-Gerau jedenfalls hat ihre Hausaufgaben bereits gemacht: „Unsere Befüllung des neuen Waffenregisters ist abgeschlossen“, berichtet der stellvertretende Pressesprecher des Kreises Groß-Gerau, Jochem Kahl.

Bundestag und Bundesrat hatten das Register auch unter dem Eindruck von Amokläufen wie in Erfurt oder Winnenden beschlossen. Nach der Waffenrichtlinie der Europäischen Union muss bis spätestens Ende 2014 ein computergeschütztes Register existieren. Mit Einführung des Registers können die Sicherheitsbehörden bundesweit auf einen einheitlichen Datenpool zugreifen. Bislang war das nicht möglich, da die Daten über genehmigungspflichtige Waffen bei 551 verschiedenen Behörden gespeichert waren – unter anderem beim Kreis Groß-Gerau.

Polizei froh über neues Register

Kein Wunder also, dass vor allem die Polizei die Einrichtung des neuen Registers begrüßt. „Nach der Häufung der Amokläufe in Deutschland haben wir schon länger die Einführung eines solchen Registers gefordert. Wir freuen uns deshalb sehr, dass diese Forderung jetzt umgesetzt wurde“, sagt der hessische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Heini Schmitt.

Rainer Müller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, verweist dabei auf eine Mitteilung des Bundesinnenministeriums vom Montag, die die einhellige Meinung der Polizei widerspiegele. Dort ist Folgendes zu lesen: „Das nationale Waffenregister leistet einen sehr konkreten Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit, zum Beispiel durch vereinfachte, komplexe, deutschlandweite Recherchen.“ Jochem Kahl lobt derweil, dass „künftig vieles detaillierter aufgelistet sein wird“.

Für die zuständigen Bediensteten des Landratsamts bedeute das Waffenregister allerdings auch einen enormen Mehraufwand. „Schon die Befüllung war mit beträchtlichen Kosten und vielen Arbeitsstunden verbunden. Auch künftig wird das Register deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als zuvor“, sagt Kahl. Für den Pressesprecher des Kreises steht deshalb fest: „Für unsere Behörde bringt das neue Waffenregister eigentlich mehr Nachteile als Vorteile.“

Schützen fürchten keine Auswirkungen

Auf das Vereinsleben der Schützenvereine dürfte das neue Register hingegen überhaupt keine Auswirkungen haben. Das glauben zumindest Franz Josef-Kerber (Ginsheim), Vize-Präsident des Hessischen Schützenverbandes, und Peter Knaup, Vorsitzender des SV Tell 1910 Haßloch. „Für uns ändert sich gar nichts“, sagt Kerber. Knaup fügt hinzu: „Das ist eher eine Angelegenheit für die Verwaltung. Die Waffen unserer Mitglieder sind auch jetzt schon alle registriert.“

Die Neuerung an sich findet der Funktionär gut: „Verhältnisse wie in den USA, wo fast jeder ohne Probleme eine Waffe kaufen, besitzen und nutzen kann, gefallen mir nicht. Es ist okay, wenn Leute, die ernsthaft den Hobbys Jagd oder Schießsport nachgehen, eigene Waffen besitzen. Das Ganze sollte aber trotzdem streng kontrolliert werden.“ Er selbst achte beispielsweise bei den Mitgliedern seines Vereins auch immer darauf, „was und wie viel sie sich zulegen“.

Ein grundlegendes Problem werde aber auch das neue Waffenregister nicht lösen, mutmaßt Knaup: „Die illegalen Waffen, die zweifellos die größte Gefahr darstellen, können weiterhin nicht erfasst werden.“ (ers.)

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