"Gewalt hatten wir nicht im Sinn"

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Mörfelden-Walldorf Die Stadt trauert um das Opfer der Messerstecherei / Motive weiter unklar

Hunderte sind zu seiner Beerdingung am Donnerstag gekommen. S. war beliebt in seinem Heimatort Mörfelden-Walldorf; Bekannte beschreiben ihn als hilfsbereiten, freundlichen jungen Mann. Kein Randalierer, kein Schläger. Er starb mit nur 18 Jahren, weil ein Gleichaltriger ihm ein Messer in den Bauch rammte.

Sie wollten ein bisschen feiern, einfach einen schönen Abend verbringen, sagt ein Freund des Opfers. Mit Gewalt hätten sie nie etwas im Sinn gehabt. Gemeinsam wollten sie zur Abi-Vorfinanzierungsparty der Bertha-von-Suttner-Schule in der Vereinshalle der Sport- und Kulturgemeinschaft 1888 Walldorf (SKG) gehen, zu elft oder zwölft seien sie gewesen. Vorher hätten sie sich noch bei einem aus der Gruppe zu Hause getroffen, Kartoffelsalat gegessen, geplaudert und gescherzt, erzählt eine Mutter. "Und wenige Stunden später war der Bub tot."

Gegen elf Uhr kamen die Freunde auf dem Fest an, etwa 500 Gäste feierten bereits ausgelassen. Bald darauf entbrannte eine Rangelei in der Halle, die nach Erkenntnissen der Polizei dem tödlichen Messerstich auf dem Parkplatz voranging. Über den genauen Hergang könne er bislang allerdings keine Angaben machen, sagt Rainer Müller, Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. Die Ermittlungen dauerten noch an.

Was im Vorfeld geschah, schildern Augenzeugen wie folgt: Zwei junge Männer aus der Mörfelder Gruppe hätten an der Theke Getränke bestellen wollen, als ein Jugendlicher sich vordrängelte. Auf die Aufforderung, sich bitte hinten anzustellen, habe der Jugendliche herumgepöbelt, sei davongelaufen und kurz darauf mit ein paar Kumpels zurückgekehrt. Zu viert oder fünft hätten sie dann begonnen, die zwei Anfang 20-Jährigen an der Theke zu verprügeln. "Ich hatte plötzlich Fäuste im Gesicht, im Bauch, am Oberkörper. Es ging alles blitzschnell", berichtet einer von ihnen. Gekannt habe er keinen der Angreifer.

"Der hat den S: abgestochen"

Nach der Attacke wollten die zwei Mörfelder im Vorraum ihre Blessuren - einer hatte eine Platzwunde an der Wange - versorgen. "Dann habe ich von draußen nur jemanden schreien hören: Hilfe, der hat den S. abgestochen", sagt einer. Ob der Messerstecher zu der Gruppe gehörte, die die Schlägerei angezettelt hatte, und ob beide Vorfälle in Verbindung stehen, kann die Polizei noch nicht sagen. Auch die Motive des 18-jährigen Langeners, der die Tat gestanden hat, sind unklar, ebenso wie der Verbleib der Tatwaffe.

Eine knappe Woche später sucht der Erste Stadtrat und Sozialdezernent Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) nach Gründen einer solchen Eskalation. "Eine einfache Antwort gibt es aber nicht." Von Rivalitäten zwischen Jugendlichen aus Mörfelden und Nachbarorten wisse er nichts. "Zu Vereinsfeiern, Schulfesten oder JUZ-Parties kommen immer irgendwelche Dollbohrer, die Stunk anfangen. " Daher gebe es heute ja keine Veranstaltung mehr ohne Security, "was an sich schon schlimm genug ist". Noch schlimmer allerdings, wenn Waffen zum Einsatz kämen. "Dann ist eine Schwelle überschritten." Um Gewalt vorzubeugen, müssten alle Erziehungsinstitutionen zusammenarbeiten, fordert Urhahn, vom Elternhaus über die Schule bis hin zu Vereinen.

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