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Nach der Erschießung der Hunde kam es zu zwei Demonstrationen.

Rüsselsheim

Getötete Hunde übel vernachlässigt

Im September 2014 erschießen Polizisten zwei Hunde. Die Empörung ist nach den Schüssen groß - auch bei den Haltern der Tiere. Sie stellen sich als selbstlose Tierfreunde dar. Doch die Vernehmungsprotokolle der Staatsanwaltschaft zeichnen ein anderes Bild.

Die Ereignisse sind noch gut im Gedächtnis: Am 23. September 2014 erschießen Polizisten in der Rüsselsheimer Fußgängerzone zwei Hunde, weil sie zuvor zwei Menschen gebissen haben. Die Besitzer der Tiere stellen sich als selbstlose Tierfreunde dar. In Folge der Schüsse auf die Hunde war es zudem zu zwei Demonstrationen vor dem Gebäude der Rüsselsheimer Polizei gekommen.

Vernehmungsprotokolle der Darmstädter Staatsanwaltschaft, wie sie inzwischen in sozialen Netzwerken kursieren, zeichnen ein ganz anderes Bild. Sie lassen auch Zweifel an der Behauptung aufkommen, die Hunde seien deshalb ins Freie gerannt, weil ein Einbrecher die Tür geöffnet habe.

Aus den im Internet veröffentlichten Protokollen geht hervor, dass Ermittler, die die Shisha-Bar nach den Schüssen auf die Hunde auf Diebstahlspuren untersuchten, einen völlig verdreckten Raum vorgefunden haben, in dem ein paar alte Möbel standen. Der Raum sei voller Hundekot und der Boden fast flächendeckend mit Urin bedeckt gewesen. Hundekot habe sich selbst in der Spüle befunden. Es habe beißend nach Kot und Urin gestunken.

Im Raum und im völlig verwahrlosten Außengelände, auf dem den Ermittlern Ratten zwischen den Füßen herumgelaufen seien, hätten sich zahlreiche geöffnete und teilweise geleerte, aber auch leere Hundefutterdosen gefunden. Vor allem das Erscheinungsbild in der Shisha-Bar lässt für die Ermittler den Eindruck zu, dass die Hunde dort tagelang eingesperrt waren und nicht erst am Vorabend von ihren Besitzern dorthin gebracht wurden. Angeblich zum Schutz des Mobiliars, das verkauft werden sollte.

Mann in Todesangst

Aus den Protokollen geht auch hervor, dass keiner der beiden Hunde ein Hundehalsband getragen hat. Zudem habe einer der Besitzer keine Erlaubnis für die Haltung eines sogenannten Listenhundes gehabt und sei deswegen schon im vergangenen Juli mit einem rechtskräftigen Bußgeldbescheid belegt worden.

Weiterhin wird in den Protokollen geschildert, wie der Onkel eines der Hundebesitzer von den Hunden attackiert wurde. Der Mann spricht mehrfach von Todesangst. Er sei der Polizei dankbar, dass sie ihn in ein Polizeiauto geholt habe. Kaum habe er drin gesessen, seien die Hunde am Polizeifahrzeug hochgesprungen und hätten mit den Vorderpfoten an der Scheibe gekratzt und die Zähne gefletscht.

Als er schon halb im Auto saß, habe ihm einer der Hunde noch durch einen Schuh in den Fuß gebissen. Er habe aus mehreren Wunden stark geblutet. Der Mann ist froh, dass er nur von einem Hund angefallen wurde. Wären beide Hunde auf ihn losgegangen, hätte er das vermutlich nicht überlebt, gab er zu Protokoll.

Ermittlung gegen 50 Personen

Die meisten der mehr als 170 Anzeigen gegen die Polizei wurden auf einem Vordruck eingereicht, der im Internet verbreitet wurde. Sie kamen aus dem gesamten Bundesgebiet und seien, so eine weitere Information, zum Teil in einem völlig unangemessenen Ton gehalten und teilweise mit Forderungen nach Erschießung der Beamten versehen gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang und wegen Beleidigungen, die gegen die Polizisten im Internet ausgesprochen wurden, gegen mehr als 50 Personen.

Ob angesichts der Hundehaltung in der Bar und den Zuständen dort gegen die beiden Hundehalter ein Verfahren wegen Tierquälerei eingeleitet wurde, kann die Sprecherin der Darmstädter Staatsanwaltschaft, Nina Reininger, nicht sagen. Der zuständige Sachbearbeiter befinde sich noch im Urlaub. Von den Hundehaltern war keine Stellungnahme zu bekommen. (hde)

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