Mörfelden-Walldorf

Der Pfarrer gibt den Schelm

Kommunionkinder erkunden die Kirche der katholischen Pfarrei Christkönig.

Es ist ein schönes Ritual, das Pfarrer Paul Nieder und Gemeindereferentin Isabell Bienias seit zwölf Jahren pflegen: Bevor der Unterricht zur Erstkommunion richtig losgeht, werden die Acht- bis Zehnjährigen mit Bedacht ans Gotteshaus herangeführt.

Am Samstag haben sich 30 Kommunionschüler und Eltern vor der Kirche der katholischen Pfarrei Christkönig versammelt. "Es geht um Communio - um Gemeinschaft. Wir verbringen in den nächsten Monaten viel Zeit miteinander, die wir mit dem Gang durch die Kirche beginnen", erklärt Bienias. Die Schüler kennen den Pfarrer und die Gemeindereferentin aus dem Religionsunterricht in der Schule und hören aufmerksam zu.

"Der Pfarrer ist lustig", sagt Luca lächelnd. Pfarrer Nieder und Bienias sind ein abgestimmtes Team, das die Führung mit kleinen Scherzen umrankt. Dabei gibt der Pfarrer den Schelm, Bienias weist ihn mit gespielter Strenge zurecht. Mimt er etwa den kaugummikauenden Bub, mahnt Bienias: "Aber Herr Pfarrer - so wollen Sie die Kirche betreten?" Die Kinder lachen.

Glockenläuten per Knopfdruck

Zunächst blicken alle zum Turm hinauf, wo das Kreuz als Fingerzeig zum Himmel steht. "Vier Glocken gibt es im Turm", weiß Viktoria. Gemeinsam mit Sophia, Marc und Karla darf sie das Läuten per Knopfdruck aktivieren. Bienias: "Hört Ihr, die Glocken rufen Euch herbei."

Auf der Wiese hinter der Kirche betrachtet die Gruppe die Mauer des Gotteshauses. "Die vielen Steine sind so unterschiedlich wie wir Menschen, die eine Gemeinde bilden", kommentiert Bienias. Kinder und Eltern stellen in langer Schlange die Kirche nach, die Hände formen das schützende Dach. Mit farbiger Kreide schreiben die Kinder danach ihre Namen auf die Mauersteine. Da entsteht ein buntes Mosaik der jungen Christen - Anja, Stefan, Sarah, Noah, Hans und alle anderen zieren farbenfroh die Wand.

Karin Lohse, die Mutter von David (7), sagt, es liege ihr am Herzen, dass ihr Sohn zur Kommunion geht: "Ein Mensch ohne Glauben - ich finde, da fehlt was." Auch Paula Mika, die Mutter von Vera (9) sieht das so: "Ich komme aus Portugal und will meinem Kind die Tradition unserer Religion weitergeben. Mein Mann ist evangelisch, aber unsere Tochter ist katholisch getauft." Besondere Aufmerksamkeit widmet Pfarrer Nieder dem Betreten der Kirche. Emma darf mit dem Schlüssel die große Tür aufschließen. "Unsere Kirche ist ein heiliger Ort, die offene Tür sagt: Komm rein!", erklärt er. Hinter der Tür tauchen die Kinder die Finger ins Wasserbecken. "Es erinnert uns an die Taufe. Wenn wir uns bekreuzigen, zeigen wir: Jesus, ich bin dein Freund", sagt der Pfarrer.

Schatztruhe mit Hostien

Die Gemeindereferentin versammelt alle ums Taufbecken. "Die achteckige Form der Bodensteine und der Deckengestaltung symbolisiert die Ewigkeit", sagt Bienias. Mutter Barbara Kumpf fügt hinzu: "Wenn wir die Zahl acht schlafen legen, wird sie zum Zeichen der Ewigkeit." Das Taufbecken wiederum ist zwölfeckig. Warum wohl? Die Kinder rätseln - zwölf Monate hat das Jahr, zwölf ergibt ein Dutzend. Dann aber fällt es ihnen ein: Jesus hatte zwölf Jünger.

Fasziniert betrachten die Kinder den goldenen Tabernakel - die Schatztruhe der Kirche, in der die geweihten Hostien aufbewahrt werden. "Komm - wir finden einen Schatz" lautet auch das Motto, das den Kommunionsunterricht begleitet. "Da brauchen wir aber auch eine Schatzkarte wie die Piraten", meint Noah. Pfarrer Nieder schmunzelt - und schon werden diese Karten verteilt. Mit jedem Gottesdienst, den die Kinder nun besuchen, kleben sie ein goldenes Herzchen ein. (lot)

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