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Fürs Examen hat Lisa Lammer ein Unterrichtskonzept entwickelt, hier probiert sie es aus.

Mörfelden-Walldorf

Studenten testen die Theorie

Die Bertha-von-Suttner-Schule startet eine Kooperation mit Universitäten: Auf freiwilliger Basis sollen künftig Lehramts-Studenten der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt in Mörfelden-Walldorf unterrichten.

Lisa Lammer steht vor einer elften Klasse der Bertha-von-Suttner-Schule. Sie zieht Unterlagen aus ihrer Tasche, dann startet sie die Präsentation ihrer Unterrichtseinheit auf dem Smartboard. „Postmoderne“ ist auf der digitalen Tafel zu lesen. „Wir wiederholen kurz die gestrige Stunde und machen dann mit den Hausaufgaben weiter“, sagt Lammer.

Bislang gehörte die junge Frau als Lehramtsstudentin meist zu den Zuhörern. Nun ist sie vorne gefordert. Vor kurzem hat Lammer ihre Examensarbeit abgegeben, das Studium an der Technischen Universität Darmstadt ist bald vorbei. Thema ihrer Arbeit war – wie der Titel ihrer Präsentation vermuten lässt – die Postmoderne. Zu Patrick Süskinds Roman Das Parfüm hat sie eine Unterrichtsreihe entwickelt. Drei Stunden umfasst ihr Konzept, das sie im Deutsch-Kurs der Suttner-Schule nun erstmals ausprobiert.

„Von der Theorie auf praktische Anwendung umzustellen, bedeutet schon eine große Veränderung“, sagt die angehende Lehrerin. Über die Chance, ihr Konzept dem Praxistest zu unterziehen, sei sie daher froh.

Absolventen als Experten

Möglich machte dies Björn Hamburger, der seit November 2009 in Mörfelden-Walldorf Deutsch und Geschichte unterrichtet. Während seines Studiums hatte er selbst Gelegenheit, an einer Schule in Reinheim praxisnahe Erfahrungen zu sammeln. „Das ist nun die Initialzündung für die Zusammenarbeit mit Studenten an der Suttner-Schule“, sagt er.

Auf freiwilliger Basis sollen zukünftig Lehramts-Studenten der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt in Mörfelden-Walldorf unterrichten. Hamburger: „Falls finanzielle Mittel benötigt werden, sind die Unterstützung der Schulleitung und des Fördervereins da.“ Von der Kooperation zwischen der Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und den Universitäten der Umgebung sollen beide Seiten profitieren.

In den Unterricht fließen durch die Studenten neue Ideen ein. „Die Schulleitung ist sehr offen für neue Konzepte“, betont Hamburger. Die Studenten können durch das Projekt Erfahrungen in der Praxis sammeln und ihre Unterrichtskonzepte unter realen Bedingungen auf den Prüfstand stellen. Zwar wird momentan über die Verkürzung der Referendariatszeit und die Ausweitung der Praxisanteile in der Lehrerausbildung öffentlich diskutiert. „Bis es zu einem Ergebnis kommt, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern“, meint Hamburger. Eigeninitiative sei daher gefragt. „Es ist eben etwas völlig anderes, die Stunden in Eigenverantwortung zu gestalten, als ein paar Mal als Aushilfe in Krankheitsfällen zu unterrichten“, sagt Lisa Lammer.

Ein weiterer Vorteil der Zusammenarbeit mit Studenten sei deren Fachwissen bei bestimmten Themen, sagt Hamburger. Er überlasse gern „der Expertin für Postmoderne“ einige Stunden seines Deutschunterrichts. „Ich müsste mich ansonsten in den Stoff einlesen. Wenn es aber doch jemanden gibt, der sich damit bestens auskennt und sogar noch selbst davon profitiert, wenn er an der Schule unterrichten kann, ist das doch optimal.“

Zunächst wird sich die Zusammenarbeit mit den Studenten auf die Fächer Deutsch und Geschichte beschränken. Denkbar sei die Kooperation aber in allen Fachbereichen, sagt Hamburger. Neben themenbezogenen Unterrichtsstunden seien auch Exkursionen möglich. ( tij)

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