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Jürgen Nöll schraubt und fotografiert gern.

Rüsselsheim

Mann vom Fach

Der frühere Opel-Ingenieur Jürgen Noll restauriert Motorräder und schreibt Bücher darüber.

Egal ob Fahrrad, Motorrad oder Auto: Jürgen Nöll begeistert sich für alles Mobile. Der ehemalige Opel-Ingenieur ist auf jedem dieser Felder zu Hause. Und der Mann mit dem spitzbübischen Lächeln will auch andere begeistern, ist immer auf der Suche nach interessanten Themen, die er zu Papier bringen kann. Dabei leistet er oft Pionierarbeit. Sein erstes Buch zur Motorradrestaurierung war genauso ein Novum wie der Band über die immerhin drei Jahrzehnte währende Produktion von Opel-Motorrädern.

Dieses Jahr wird er wieder einmal der Erste sein: Er legt ein Buch über die Opel-Fahrräder vor, das erste Werk, das diesen Teil der Rüsselsheimer Firma umfassend beleuchtet. Dass der Ruhestand da etwas anders ausfällt als bei vielen seiner Kollegen, verwundert aus seinem persönlichen Umfeld niemanden. Der 60-Jährige ist mehr denn je Hans Dampf in allen Boxen-Gassen.

Start bei Oldtimer-Rennen

Er startet bei verschiedenen Oldtimer-Rennen für Motorräder, initiierte im vergangen Jahr das Revival des Radrennklassikers Basel-Kleve, bei dem er auch selbst in die Pedale trat, ist Chefredakteur des Magazins des Veteranen Fahrzeug Verbands, und betätigt sich schließlich als freier Journalist und Fotograf. Dabei kommt ihm zugute, dass er zu den Menschen gehört, die nicht nur technisches und handwerkliches Wissen, sondern auch eine Affinität zur Sprache in sich vereinen.

45 Jahre lang war Nöll bei Opel tätig, bevor er im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging. 1964 begann er dort seine Lehre, der er ein Maschinenbaustudium folgen ließ. Bei Opel war Nöll für Abgasprüfstände zuständig. Er sorgte mit dafür, dass die neuen Modelle die immer strengeren Immissionsvorschriften erfüllten. Verständlich schreiben musste er manchmal auch hier, wenn er Betriebsanleitungen für komplexe Abgas-Messtechnik zu verfassen hatte, damit diese von allen Mitarbeitern bedient werden konnten.

Erst Mitte der 70er Jahre startete Nöll seine Karriere als Motorradspezialist mit der Restaurierung einer NSU OSL 251 von 1952. Bis heute hat der frühere Opelaner rund zwei Dutzend Motorräder restauriert, darunter auch einige für seinen ehemaligen Arbeitgeber, etwa den Nachbau des legendären "Monsters", einer Opel Motoclub von 1929, die Fritz von Opel für seine Geschwindigkeitsrekordfahrten mit Raketen bestückt hatte.

1981 begann der Königstädter auch als Autor zu wirken. Einem Artikel für die Fachzeitschrift Motorrad über eine Moto Guzzi aus dem Jahre 1952 folgten bis heute etwa 300 weitere Artikel für Zeitschriften und Magazine wie Motorrad Classic, Klassik-Motorrad, Oldtimer Markt und Oldtimer Praxis, Opel Post, Flash, oder den Zuverlässigen, das Club-Magazin der Alt-Opel-IG. Egal ob restaurieren, fotografieren oder schreiben: Nöll erledigt alles im Alleingang.

Geschichte der Opel-Fahrräder

Sein Erstlingswerk entstand auf Initiative vom damaligen Leiter der Opel-Klassik-Abteilung Heinz Zettl, der Nölls Serie über die Geschichte der Opel-Motorräder in einer Fachzeitschrift gelesen hatte. Da das Opel-Archiv fast keine brauchbaren Informationen hergab, verbrachte Nöll seine Wochenenden in Museen und Bibliotheken in ganz Deutschland.

Das Manuskript für das erste Buch verfasste er noch mit dem Füllfederhalter. Dieses Jahr soll neben dem Band über die Opel-Fahrräder auch ein neues Buch zur Restaurierung von Motorrädern erscheinen. 2011 möchte Nöll gerne ein Restaurierungsbuch für Fahrräder herausbringen. "Das gibt es nämlich noch nicht auf dem Markt", weiß der Profi. (eda)

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