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Dr. Bärbel Maul ist die neue Museumsleiterin im Stadt-und Industriemuseum Rüsselsheim.

Rüsselsheim

Heimat ohne -tümelei

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Die neue Leiterin des es Stadt- und Industriemuseums Bärbel Maul will für Stadtgeschichte begeistern. Und auf die Einflüsse von Türken oder Italienern aufmerksam machen. Von Meike Kolodziejczyk

Die Festung hat es ihr angetan. Eine der bedeutendsten in Hessen sei sie, "eine ganz wunderbare Anlage". Wie schön, dass sie nun dort arbeiten kann, als Leiterin des Stadt- und Industriemuseums in der Festung Rüsselsheim. Am 1. Januar hat Bärbel Maul die Stelle und damit das Erbe von Peter Schirmbeck angetreten, der nach 33 Jahren an der Spitze des Hauses ausschied und es zu dem gemacht hat, was es heute ist. Viel Lob und Preise für sein modernes Konzept heimste das Museum ein und wurde zur bekannten Station der "Route der Industriekultur".

So soll es künftig auch weitergehen, verspricht Bärbel Maul. "Wegen der exzellenten Vorarbeit kann ich ja gleich loslegen." Darauf wolle sie aufbauen und den Rüsselsheimern eine Möglichkeit geben, sich mit ihrer Heimat zu befassen. Heimat - für sie ein wichtiger Begriff, "aber ohne den Zusatz -tümelei". Das Thema Migration möchte sie in der Ausstellung daher stärker berücksichtigen. Schließlich habe Rüsselsheim viele türkische, marokkanische oder italienische Einwohner, die nicht nur das kulturelle Leben prägten, sondern die Stadt auch wirtschaftlich vorangebracht hätten.

Allem voran natürlich Opel. "Am Opelwerk kann man sehr gut die industrielle Entwicklung der Region erkennen", sagt Maul, die im Archivtrakt des Museums unter einem Festungsbogen sitzt. So imposant das uralte Gemäuer auch sein mag: es ist eher die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, für die sich die Historikerin und Pädagogin interessiert. Das sind ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte, ihre Magisterarbeit in Mittlerer und Neuerer Geschichte schrieb sie über das Thema "Vermittlung von NS-Geschichte in musealen Gedenkstätten". Ihren Doktor machte sie in historischer Pädagogik an der Universität Mainz, an der sie bis heute einen Lehrauftrag am Pädagogischen Insitut innehat.

Von Mainz aus gelangte die gebürtige Bad Hersfelderin auch nach Rüsselsheim, wo sie Ende der 80er Jahre einen Studentenjob annahm: als Museumsführerin. Dies sei mit ein Grund gewesen, weshalb die Stadt für den Posten, auf den mehr als 70 Bewerber kamen, Bärbel Maul ausgewählt habe, sagt der Rüsselsheimer Bürgermeister und Kulturdezernent Jo Dreiseitel (Grüne).

Ein Lern- und Erlebnisort

Und wegen ihrer Erfahrungen in Sachen Museums- und Ausstellungskonzeption. In den vergangenen acht Jahren arbeitete Maul als Koordinatorin der Route der Industriekultur Rhein-Main in Wiesbaden, wirkte an mehreren historischen Sonderschauen in der Landeshauptstadt mit und war insbesondere federführend bei der Planung des neuen Stadtmuseums Wiesbaden, dessen Bau in diesem Jahr beginnt. "Ein guter Zeitpunkt für mich, mal etwas anderes zu machen", sagt die 44-Jährige.

An Ideen mangelt es nicht, zwei Ausstellungen für Frühjahr und Sommer sind bereits in Vorbereitung: "Vom Lehrling zum Azubi" heißt die eine, die andere wird sich mit Blick auf die Route der Industriekultur mit der Werksentwicklung von Opel beschäftigen. Außerdem sollen Fünft- und Sechstklässler zu Museumsführern ausgebildet werden, die dann anderen Kindern die Geschichte Rüsselsheim erklären. Nicht nur in diesem Punkt merkt man Bärbel Maul die Pädagogin an. Ihr Hauptanliegen: "Menschen jeden Alters das Museum als Lern- und Erlebnisort näherbringen".

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