Rüsselsheim

Ohne Messer am Boden

Im Prozess um die tödlichen Schüsse in einer Eisdiele prüft der Verteidiger des Angeklagten Erdal E. eine Beschwerde beim Oberlandesgericht.

Als "wenig substanziell" hat der Verteidiger eines der drei Angeklagten im Prozess um die Schießerei in Rüsselsheim die Entscheidung des Landgerichts Darmstadt kritisiert, seinen Mandanten weiter in Haft zu halten. Er prüfe eine Beschwerde beim Oberlandesgericht, sagte Rechtsanwalt Klaus Walter aus Frankfurt am Mittwoch.

Anfang Dezember hatte Walter beantragt, den Beschuldigten Erdal E. (33) aus dem Untersuchungsgefängnis zu entlassen. Begründung: Die bisherige Beweisaufnahme in dem seit Mai 2009 laufenden Prozess um die Schießerei in einem Eiscafé mit drei Toten habe kein Belastungsmaterial gegen seinen Mandanten erbracht, es bestehe "keine Annahme des dringenden Tatverdachts" mehr. Staatsanwaltschaft und Gericht hatten diese Sichtweise jedoch nicht geteilt, zum Jahresende war die Fortdauer der Haft verkündet worden.

Erdal E. wird unter anderem zur Last gelegt, die Gewalttätigkeiten im Eiscafé mit einem Messerangriff auf Mitglieder der verfeindeten Familie K. eröffnet zu haben. Dies sei nach der Beweisaufnahme widerlegt, sagte Anwalt Walter gestern: Die einzige Zeugin dafür habe vor Gericht erklärt, dies nie so gesagt zu haben. "Kein anderer Zeuge hat bei Erdal E. ein Messer gesehen", sagte Walter, "nicht einmal der Mitangeklagte Taylan K. Es gibt überhaupt keinen Anhaltspunkt, nicht einmal Indizien für einen Messerangriff." Mit Schusswaffen waren nach bisherigen Erkenntnissen nur die Mitglieder der K.-Seite ausgerüstet gewesen.

Ungeklärte Abläufe

Klar sei vielmehr seit der Aussage des Gerichtsmediziners Roman Bux, dass Erdal E. in der Eisdiele frühzeitig zu Boden ging und dass ihm dann von oben durchs Kinn geschossen wurde, erklärte Walter. Die Fortdauer der Haft sei mit den ungeklärten Geschehnissen vor dem Café De Rocco begründet worden. Der Frankfurter Anwalt sagte, was auch immer geschehen sei, man müsse berücksichtigen, "dass nach einem Schuss in den Kopf das Notwehrrecht doch wohl auf seiner Seite war". Sein Mandant sei bereit, Fragen des Gerichts zu beantworten.

Der 29. Verhandlungstag im Rüsselsheim-Prozess war lediglich ein Kurztermin. Ein weiterer folgt am Montag, 25. Januar. (bad)

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