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Sedef Sertkan hat selbst schon Vorurteile erlebt.
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Sedef Sertkan hat selbst schon Vorurteile erlebt.

Kreis Groß-Gerau

Die Neue im Integrationsbüro

Die 29 Jahre alte Sedef Sertkan übernimmt die Leitung des Integrationsbüros des Kreises Groß-Gerau von Sedat Cakir, die jetzt in den Ruhestand geht..

Manche Komplimente will man nicht hören. Selbst wenn sie noch so nett gemeint sind. Sedef Sertkan etwa nervt das Lob über ihre guten Deutschkenntnisse. Natürlich beherrscht die 29 Jahre alte Rüsselsheimerin, die seit April das Integrationsbüro des Kreises Groß-Gerau leitet, die deutsche Sprache fließend und akzentfrei – von einem leichten hessischen Idiom mal abgesehen.

Die Tochter türkischer Einwanderer ist in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) geboren und aufgewachsen. Ihr orientalisches Aussehen aber lässt einen Migrationshintergrund vermuten, wie es so ungelenk heißt. Und damit sind wir mitten in dem Thema, dass Sedef Sertkan auch von Berufs wegen umtreibt.

Als Nachfolgerin von Sedat Cakir, seit 1985 Integrationsbeauftragter des Kreises und nun im Ruhestand, setzt sie sich für ein unverkrampftes Miteinander aller Kreisbewohner ein. Auf dass die kulturelle Identität eines Menschen irgendwann keine Rolle mehr spielt, sondern der Einzelne nur als Mitmensch wahrgenommen wird.

Eine Vision, dessen ist sich Sedef Sertkan bewusst. Dennoch ist sie davon überzeugt, als Integrationsbeauftragte viel bewegen zu können. Dazu brauche es „viel Geduld, viel Energie, viel Motivation, weil man es andauernd mit immer neuen Herausforderungen zu tun hat“.

Sie weiß, von was sie spricht, denn mit Integration hat Sedef Sertkan nicht erst als Cakir-Nachfolgerin zu tun: In der Kreisverwaltung arbeitet sie seit April vergangenen Jahres, da sie im Zusammenhang mit dem Programm „WIR – Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“ als Koordinatorin eingestellt wurde.

Das Landesprogramm, an dem sich der Kreis Groß-Gerau beteiligt, unterstützt mit vielfältigen Projekten die interkulturelle Entwicklung der Gesellschaft. Im Integrationsbüro betreibt Sedef Sertkan viel Netzwerkarbeit. Es gehe darum, bestehende Angebote und Strukturen zusammenzubringen und zu unterstützen. Grundsätzlich gilt Sertkans Engagement allen Zuwanderungsgruppen.

Beispielsweise macht sie darauf aufmerksam, dass es bislang kaum Informationsangebote für Migranten aus der Europäischen Union gibt. Mit Interkulturalität hat Sedef Sertkan als Frau, die mit Einflüssen von Orient und Okzident aufgewachsen ist, wohl schon von Kindesbeinen an zu tun. Diese Thematik hat sie an der Frankfurter Goethe-Universität vertieft, wo sie vergleichende Religionswissenschaften und Orientalistik studiert hat. Die Beschreibung ihrer Tätigkeiten, mit denen sie sich dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Wien befasste, lässt auf ein Organisationstalent schließen.

Lachend erklärt sie sich einverstanden mit diesem Begriff: „Da werde ich nicht Nein sagen“, sagt die Rüsselsheimerin, die in diesen Wochen und Monaten viele Fäden in der Hand hält: „Wir strukturieren jetzt einiges neu“, berichtet sie. Wir, damit meint sie sich und ihre neue Kollegin Sabrina Glindmeyer, die die Koordinatorenstelle im WIR-Programm des Kreises übernommen hat.

Konzept zur Willkommenskultur im Kreis

Zurzeit ist Sedef Sertkan dabei, eine Rahmenkonzeption zu schreiben, die das Tätigkeitsprofil des Integrationsbüros deutlich macht. Grundlage dieser Arbeit ist das seit 2008 bestehende Integrationsleitbild des Kreises Groß-Gerau. „Das ist sozusagen unser Grundgesetz“, erläutert Sedef Sertkan. Anhand der sieben Handlungsfelder dieses Leitbilds würden Projekte und Maßnahmen entwickelt.

Das WIR-Programm docke daran an: Gemeinsam mit Sabrina Glindmeyer arbeitet Sedef Sertkan derzeit an einem Ansatz, wie man im Kreis Groß-Gerau eine Willkommens- und Anerkennungskultur für Migranten entwickeln kann. Da sei noch viel zu tun, meint die Rüsselsheimerin. Sie erinnert sich an eine Gesprächsrunde, in der sie als positives Beispiel der Gesellschaft vorgestellt worden sei. Denn sie habe es als Mensch mit Migrationshintergrund und obendrein als Frau in eine Leitungsfunktion gebracht. „Das ist doch keine Wertschätzung“, sagt Sedef Sertkan, „sondern das geht genau in die andere Richtung“. (dirk)

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