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Die Koffer sind gepackt: Mitte Februar geht der Flug ins neue Leben.

Mörfelden-Walldorf

Auf nach Kanada

Brigitte Benz und Joe Macholl zieht es von Mörfelden Walldorf in die Weite Nordamerikas. Mitte Februar startet der Flug ins neue Leben.

Hätten wir das damals doch nur getan. Diesen Satz will Brigitte Benz nicht sagen müssen. Deswegen ist bei ihr zurzeit Packen angesagt. Die Aufenthaltsgenehmigung befindet sich genauso wie die Flugtickets bereits bei den wichtigen Unterlagen. Die große Abschiedsfeier ist organisiert. Es kann losgehen – nach Kanada.

„Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich dabei kein weinendes Auge habe“, sagt die Auswanderin. Schließlich ist Benz in Mörfelden groß geworden. In ihrem Elternhaus in der Kalbsgasse wurde die 49-Jährige geboren. Auch beruflich war sie bislang fest in Mörfelden verankert. Als Geschäftsführerin leitete sie mehr als 26 Jahre die Autolackiererei, die ihre Eltern 1964 gegründet haben. Die Kunden werden wohl auch Border Collie-Hündin Lea vermissen. Trotzdem sagt Benz: „Diesen Traum will ich mir unbedingt verwirklichen.“

Mit von der Partie ist Benz’ Lebensgefährte Joe Macholl. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir bei vielen Aufenthalten soziale Kontakte vor Ort geknüpft“, erzählt er.

Ein Holzhaus im Wald

Der Osten des nordamerikanischen Staats ist das Ziel des Paares. Genauer: die Gegend um die 26.000 Seelen-Stadt Sydney. „Die Region bietet Kanada wie man es sich vorstellt im Kleinformat“, schwärmt Benz. Seen, Wälder, bunte Holzhäuser und jede Menge Platz zum Nachbarn. Auch die beiden wollen in ihrer neuen Wahlheimat ein buntes Holzhaus besitzen. „Das soll dann das letzte Haus in unserem Leben sein“, sagt der 51 Jahre alte Macholl. Bis das Domizil fertig ist, wird das Paar zur Miete wohnen.

Geschäftlich wird es für den freiberuflichen EDV-Experten Macholl in Kanada genauso weitergehen wie in Deutschland. Auch Brigitte Benz möchte im Land der Grizzlybären als Freiberuflerin tätig werden. Beschriftungen für Fahrzeuge und Schaufenster hat sie als Geschäftsidee im Sinn. „Notfalls gehe ich auch Teller waschen. Auswandern steht auf jeden Fall fest“, betont sie.

Das Leben sei in Kanada einfach wesentlich entspannter – und das in allen Bereichen, findet Benz. „Die Menschen lassen sich noch mehr Zeit. Da stört es keinen, wenn man an der Supermarktkasse ein Schwätzchen hält.“

Dass sie Mitte Februar das letzte Mal als Anwohnerin durch die Straßen in Mörfelden spazieren wird, sei ihr zurzeit noch gar nicht im Bewusstsein, sagt Benz. Erst wenn die Wohnung leer und das Abschiedsfest mit Familie und Freunden gefeiert sei, werde sie das wohl so richtig spüren. Benz: „Die Aufbruchstimmung ist wahrscheinlich noch nicht da, weil wir momentan zu sehr im Hamsterrad sind und uns um die ganzen bürokratischen Angelegenheiten kümmern müssen.“

Der Fortbestand der Autolackiererei ist zumindest schon in trockenen Tüchern: Im Betrieb geht es mit dem bewährten Werkstattteam unter einem neuen Besitzer weiter. (tij)

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