Die Baustelle Terminal 3, unten und links Cargo-City Süd. Das Bild wurde im Mai vorigen Jahres aufgenommen. Bild: Peter Jülich
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Die Baustelle Terminal 3, unten und links Cargo-City Süd. Das Bild wurde im Mai vorigen Jahres aufgenommen. 

Mörfelden-Walldorf/Neu-Isenburg

Widerstand gegen Zwischenlager für giftige Erde

Die Anrainerkommunen Mörfelden-Walldorf und Neu-Isenburg wollen Fraport-Pläne, fünf Jahre lang ein Zwischenlager für verseuchte Erde zu errichten, nicht kritiklos hinnehmen.

Die Stadt Mörfelden-Walldorf lässt es sich nicht gefallen, dass die Fraport AG auf einem Grundstück „vor ihrer Haustür“ fünf Jahre lang giftige Erde von der Baugrube des Terminals 3 zwischenlagern will. Die Kommune hat Einwendungen an das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) formuliert und sandte am Donnerstagabend in einer Informationsveranstaltung auch einen entsprechenden Appell an die Bürger, ihre Bedenken bis 6. März im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zu äußern. Bei der Stadt Neu-Isenburg schrillen ebenfalls die Alarmglocken – wenn auch nicht so laut wie in Mörfelden-Walldorf. Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) hat einen Anwalt beauftragt, Akteneinsicht zu der geplanten Halde beim RP zu beantragen.

Derzeit sind 600 000 Kubikmeter kontaminierte Erde noch auf Frankfurter Gemarkung nahe der Baustelle vom Terminal 3 auf einer Folie gelagert. Der Aushub ist mit Polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastet, die höchstwahrscheinlich aus Feuerlöschschaum stammen. Er soll in ein Zwischenlager umgeschichtet werden – und zwar auf eine Fläche der Cargo City Süd, die zu Mörfelden-Walldorf gehört. Das Grundstück liegt einen Kilometer von der Wohnbebauung entfernt.

Volker Zeisberger vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie sagte den rund 100 Anwesenden am Donnerstagabend im Walldorfer Rathaus klar, dass die Zwischenlagerung der vergifteten Erde auf dem Gelände der Cargo-City Süd quasi alternativlos sei. Eine thermische Verwertung in einer Sondermüllverbrennungsanlage sei in dieser Größenordnung nicht möglich, und es fehle in Deutschland auch an entsprechenden Deponien. „Den Ist-Zustand kann man so aber auch nicht belassen“, sagt Sebastian Stern, Ortsvorsteher von Zeppelinheim. Er gehörte zu der vierköpfigen Neu-Isenburger Delegation, die sich am Donnerstag im Walldorfer Rathaus über das geplante Bodenlager informierte.

Stellungnahme des RP

In einer Pressemitteilungerklärte das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt am Freitag, dass von dem geplanten Bodenlager in Cargo-City Süd „keine erheblich nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten sind“.

Die Umweltverträglichkeitsprüfung,die die Stadt Mörfelden-Walldorf und der Kreis Groß-Gerau fordern, müsse deshalb nicht durchgeführt werden.

Flüssigkeitsdichte Folieund undurchlässiger Asphalt stelle sicher, dass keine wassergefährdenden Stoffe in den Boden gelangen. Sicker- und Oberflächenwasser würden einer Sickerwasseraufbereitungsanlage zugeführt.

Schutzgebiete,gesetzlich geschützte Biotope oder relevante Arten seien nicht betroffen.

Schädliche Auswirkungendurch Lärm und Staub seien nicht zu erwarten. Das hätten ein Schall- und ein Lärmgutachten ergeben. ann

Die Interimsdeponie, die Fraport für die Betriebsdauer von fünf Jahren beim RP beantragt hat, muss man sich laut Stern so vorstellen: Eine wasserundurchlässige Teerschicht, darauf eine Folie, auf die die verseuchte Erde geschüttet wird. „Der Haufen wird dann mit einer Folie abgedichtet und wie ein Bonbon eingewickelt“, so Stern.

In einer Präsentation zeigte Katharina Diergarten, Leiterin des Umweltamts, auf, was es heißt, wenn 600 000 Kubikmeter Erde den Standort wechseln: Wenn Lastwagen rund um die Uhr fahren würden, bräuchte man ein halbes Jahr, um den Aushub in die Cargo City Süd zu versetzen.

„An Fraport ging am Donnerstagabend der Appell, so schnell wie möglich zu handeln“, sagt Stern. Der Flughafenbetreiber habe im Dezember eine erste europaweite Ausschreibung für den Abtransport und die Entsorgung von 180 000 Kubikmeter vergifteter Erde in sechs Losen lanciert. Die Ausschreibung laufe bis Ende dieses Monats, Unternehmen hätten von März bis Ende Oktober Zeit für die Deponierung.

Der Neu-Isenburger Stadtteil Zeppelinheim liegt 3,5 Kilometer von der geplanten Interimsdeponie entfernt. „Wir sind bisher von keiner Seite über das Fraport-Vorhaben informiert worden“, ärgert sich Bürgermeister Hunkel. Dabei sei Neu-Isenburg als Flughafenanrainerkommune doch zu hören.

In der Mitgliederversammlung des Vereins „Neu-Isenburg: Wir wollen gesund hier weiterleben“ kam das Thema am Dienstagabend auf. „Ich habe noch am selben Abend unseren Frankfurter Anwalt Thomas Mehler wegen Akteneinsicht angerufen“, sagt Hunkel, der auch Vorsitzender des Vereins ist. Am Mittwochmorgen wurden die Fraktionsvorsitzenden, der Magistrat und den Ortsbeirat Zeppelinheim informiert. Hunkels Nachfrage beim Geschäftsführer der Stadtwerke ergab, dass es in Zeppelinheim keinen Grund zur Panik geben müsse. Das Trinkwasser für den Stadtteil werde nämlich inzwischen in der Kernstadt gefördert. Aus der Neu-Isenburger Brunnengalerie gelangt es über Leitungen nach Zeppelinheim. Außerdem fließe das Grundwasser von Ost nach West, also in Richtung Rhein.

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