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Ausstellung im früheren KZ-Außenlager Walldorf erinnert an Wannseekonferenz

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Von: Jens Joachim

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Im Zentrum der Ausstellung steht die Puppe von Trude van Bingen, die mit ihrer Familie ins KZ Sobibór deportiert wurde.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Puppe von Trude van Bingen, die mit ihrer Familie ins KZ Sobibór deportiert wurde. © Michael Schick

Das Horváth-Zentrum in Walldorf erinnert mit einer Ausstellung an die Ermordung der Familie van Bingen in Sobibór sowie an die 41 ungarische Jüdinnen, die 1944 während ihrer Haft in Walldorf umgebracht wurden. Die Puppe von Trude van Bingen steht im Zentrum der Schau.

Pass bitte auf meine Puppe auf, bis ich zurück bin“, sagte die elfjährige Trude zu ihrer Freundin, kurz bevor sie in das Vernichtungslager Sobibór im südöstlichen Polen deportiert wurde. In den dortigen Gaskammern wurden nach Angaben des Deutschen Historischen Museums in Berlin schätzungsweise mehr als 250 000 Menschen vor allem jüdischen Glaubens ermordet, darunter rund 33 000 aus den Niederlanden.

Aus Anlass des 80. Jahrestages der Wannseekonferenz, bei der in Berlin die Ermordung von elf Millionen europäischer Juden geplant wurde, ist am Donnerstagnachmittag in der Gedenk- und Bildungsstätte Horváth-Zentrum in Mörfelden-Walldorf eine Ausstellung mit lokalhistorischen Bezügen eröffnet worden.

Mörfelden-Walldorf: Trudes Puppe mahnt im früheren KZ-Außenlager Walldorf

Im Zentrum der Schau steht nach den Worten von Cornelia Rühlig, der Vorstandsvorsitzenden der Margit-Horváth-Stiftung, die auch Stadthistorikerin von Mörfelden-Walldorf ist, die Puppe der damals elfjährigen Isabella „Trude“ van Bingen.

Das Mädchen kam am 6. Juni 1931 im westfälischen Rheine zur Welt. Zusammen mit seiner Mutter Berta, einer gebürtigen Oppenheimer, die am 9. August 1903 in Mörfelden geboren worden war, seinem anderthalb Jahre jüngeren Bruder Bernhard Walter und seiner Großmutter wurde es nach Sobibór deportiert. Am 11. Juni 1943, fünf Tage nach ihrem zwölften Geburtstag, wurden Trude, ihre Mutter und ihr Bruder in dem Vernichtungslager umgebracht.

Früheres KZ-Außenlager Walldorf: Holocaust-Überlebende spricht mit Schulklasse

Die Ausstellung auf dem Gelände der ehemaligen Außenstelle Walldorf des Konzentrationslagers (KZ) Natzweiler-Struthof, die über den Mauern eines Kellers errichtet wurde, in dem KZ-Häftlinge brutal geschlagen wurden, ist nur eine Woche zu sehen. Sie endet am 27. Januar, am internationalen Holocaust-Gedenktag, an dem vor 77 Jahren das KZ Auschwitz befreit wurde.

An jenem Vormittag wird Eva Szepesi im Horváth-Zentrum mit einer Schulklasse aus Langen sprechen. Szepesi war am Tag ihrer Befreiung in Auschwitz mit zwölf Jahren genauso alt wie Trude, als sie ermordet wurde.

Ausstellung im früheren KZ-Außenlager Walldorf aus Anlass der Wannseekonferenz

Blick in die Ausstellung im Untergeschoss der Gedenkstätte.
Blick in die Ausstellung im Untergeschoss der Gedenkstätte. © Michael Schick

In der Ausstellung werden neben Trudes Puppe auch Servietten mit dem Monogramm ihrer Mutter und ein gelber Stern mit der niederländischen Aufschrift „Jood“ (Jude) gezeigt. Informationen gibt es auch über die 41 ungarischen Jüdinnen, die 1944 während ihrer Haft im KZ-Außenlager Walldorf ermordet wurden. Auf dem Programm stehen zudem Führungen, ein Workshop sowie Präsentationen und Lesungen.

Die Ausstellung im Horváth-Zentrum, Familie-Jürges-Weg 1, ist bis 27. Januar täglich von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Die Vormittage sind Schulklassen vorbehalten. In die Gedenkstätte ist der Zutritt nur für maximal 20 Personen gestattet. Im Ausstellungsraum muss eine FFP-2-Maske getragen werden. Zudem gilt die 2G-plus-Regel.

Informationen über die Gedenk- und Bildungsstätte unter www.margit-horvath.de

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