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Jüdische Erinnerung: Initiative kämpf für Erhalt von Geschwister-Reiß-Haus

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Von: Claudia Kabel

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Das Geschwister-Reiß-Haus verfällt seit Jahrzehnten.
Das Geschwister-Reiß-Haus verfällt seit Jahrzehnten. © Rolf Oeser

Einr Initiative in Mörfelden-Waldorf will ein ehemals jüdisches Anwesen retten und informiert am Samstag über ihre Pläne. Die früheren Bewohner verhungerten in Theresienstadt.

Kunststoffplanen decken das Dach nur notdürftig ab. Seit den 1970er Jahren ist die denkmalgeschützte Hofreite in der Langstraße 37 in Mörfelden-Waldorf unbewohnt und verfällt zusehends. Dabei ist das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert historisch über die Stadtgrenzen hinaus von Bedeutung, denn es gehört zu den sogenannten Waldenserhäusern der zweiten Generation und ist eines der ältesten freistehende Fachwerkhäuser in Walldorf.

Vor dem Haus sind in den Bürgersteig drei Messingplatten eingelassen. Die Stolpersteine erinnern an die jüdischen Geschwister Reiß, die hier zu Beginn des Nationalsozialismus lebten. Während Ferdinande Reiß 1935 im Alter von 75 Jahren verstarb, wurden Max und Sara Reiß, 85- und 77-jährig, am 24. September 1942 ins Sammellager in der Justus-Liebig-Schule nach Darmstadt verschleppt. „Sie waren so gebrechlich, dass ihnen selbst die Gestapo den Weg zum Bahnhof nicht zutraute und ein benachbarter Bauer beauftragt wurde, sie mit seinem Fuhrwerk ins ‚Sammellager’ nach Darmstadt zu fahren, wo die Gestapo 2171 Jüdinnen und Juden aus Hessen zusammengepfercht hatte“, heißt es in der Broschüre zu den Stolpersteinen. Im Ghetto Theresienstadt überlebten sie nur kurz, vermutlich verhungerten sie, schreibt Hans-Jürgen Vorndran, Erster Stadtrat a.D.

Jetzt will Hans-Jürgen Vorndran, der sich jahrelang im Vorstand des Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau engagiert hat, gemeinsam mit einer Initiative zu der auch Rudi Hechler, Matthias Krönke und Lutz Althoff gehören, das Haus vor dem Verfall retten.

Veranstaltung

Infoveranstaltung am Samstag, 26. November, 16 Uhr im Waldenserhof, Langstraße 71, in Mörfelden-Walldorf.

Ein Spendenkonto zum Erhalt des Hauses gibt es bei der Kreissparkasse Groß-Grau, IBAN DE15 5085 2553 0016 1404 93.

Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz, wird jedoch seit Jahren nicht gepflegt. Der Eigentümer sei leider nicht sonderlich am Erhalt interessiert und das Gebäude müsse im Zuge von Verwaltungsverfügungen durch die Bauaufsicht immer wieder einmal gesichert werden, teilte der Kreis Groß-Gerau auf FR-Anfrage mit. Ein Abbruchantrag liege bisher aber nicht vor.

„Als das Gebäude vor Jahren für 29 000 DM zum Verkauf stand, forderte die DKP vergeblich, die Stadt solle das Gebäude kaufen“, berichtet Hechler. Auch jetzt gibt es laut Vorndran einen Stadtverordnetenbeschluss, dass die Kommune kein Geld investieren wird. Während indes vor Jahren ein Abrissgesuch des Besitzers am Denkmalschutz gescheitert sei, sei es andererseits wirtschaftlich kaum zumutbar das Haus zu sanieren.

Trotzdem will die Initiative für den Erhalt kämpfen und lädt für diesen Samstag zu einer Infoveranstaltung in den Waldenserhof ein. Dann will sie ihre Pläne vorstellen und auch über die Geschichte der Geschwister Reiß informieren. Eine Idee ist, dass die Initiative das Haus über Spenden günstig erwirbt und saniert. Eine Vermietung, etwa an Geflüchtete, könnte die Kosten decken.

Im Waldenserhof in der Langstraße 71 findet die Infoveranstaltung statt.
Im Waldenserhof in der Langstraße 71 findet die Infoveranstaltung statt. © Peter Jülich

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