Mörfelden-Walldorf

Freier Zugang zum Walldorfer See

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Das Gewässer wird zur Badestelle umgestuft. Der Eintritt entfällt, dafür gibt es aber auch keine Garantie auf eine Badeaufsicht mehr und das Parken wird teurer.

Nur einen Kilometer vom Langener Waldsee entfernt liegt der Walldorfer See. Bislang wurde das rund 28 Hektar große Gewässer offiziell als Badesee betrieben, doch nun hat die Stadt Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) die Umwandlung in eine Badestelle beschlossen.

Die gute Nachricht: Die Bademöglichkeit im See bleibt erhalten und Badegäste haben künftig freien Zugang zu See und Liegewiese, ohne dass dafür Eintritt genommen wird. Dafür wird es aber künftig nicht mehr zwingend eine Wasseraufsicht geben. Außerdem werden die Gebühren für die rund 450 Parkplätze angehoben, wie es eine Vorlage des Magistrats vorsieht. Zudem werden feste Bereiche für Schwimmer, Nichtschwimmer und Angler ausgewiesen. Hintergrund ist die 2015 erfolgte Novellierung der Richtlinien der Deutsche Gesellschaft für den Betrieb von Bädern. Dabei wurde die haftungsrechtliche Verantwortung zulasten des Betreibers deutlich verschärft. Vor allem was die sogenannte Beweislastumkehr betrifft, ist die Kommune nun bei Badeunfällen in der Pflicht. Dies wurde vom Bundesgerichtshof in einem Urteil 2017 nochmals ausdrücklich bestätigt. Die Kommune muss demnach nachweisen, dass sie keine Schuld an einem Unfall hat beziehungsweise dass sie die schärferen Richtlinien für einen Badesee eingehalten hat.

Dies würde jedoch beim Walldorfer See zum Beispiel einen „vollumfänglichen Wachdienst“ bedeuten, wie Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) sagte. Für diesen müsste das Personal aufgestockt werden, um den Anforderungen zu genügen. So müssten etwa an mehreren Stellen Wachpersonen mit einem Boot zur Verfügung stehen, um die gesamte Wasserfläche abzudecken. Eine Badestelle hingegen könne man auch ohne Wachdienst betreiben, so Becker.

Tragödie in Nordhessen

Nachdenklich sei man nach der Tragödie im nordhessischen Neukirchen geworden, wo 2016 drei Geschwister in einem nicht umzäunten Löschteich ertranken und der Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wurde. Ein von der Stadt Mörfelden-Walldorf im vergangenen Jahr beauftragtes Rechtsgutachten hatte bestätigt, dass beim bisherigen Betrieb „erhebliche finanzielle und haftungsrechtliche Risiken“ bestünden. Derzeit laufen Gespräche zwischen Stadt, Anglern und der Interessengemeinschaft Rettungsdienst Badesee Walldorf über die Realisierung einer Badeaufsicht. Das Ziel ist laut Becker, wenn möglich eine vollumfängliche Aufsicht einzurichten. Ansonsten sei geplant, über das Hissen einer Fahne zu signalisieren, ob gerade eine Aufsicht vor Ort ist oder nicht.

Bei der Erhöhung der Parkgebühren gibt es derzeit verschieden teure Modelle. Die vom Magistrat favorisierte Variante sieht eine Anhebung von vier auf sieben Euro vor. Dadurch könnte der zugrunde gelegte Einnahmenausfall des bisherigen Eintrittsgeldes von etwa 70 000 Euro kompensiert werden, so Becker. Erwachsene zahlten bislang drei Euro Eintritt und vier Euro fürs Parken. Für einen Erwachsenen, der alleine mit dem Auto kommt, würde sich durch die neue Preisstruktur nichts ändern. Günstiger kommen künftig diejenigen weg, die mit mehreren Personen in einem Auto fahren oder mit dem Rad oder zu Fuß kommen. Insofern sei das Konzept fair und ein Anreiz zusammen zu fahren oder auf das Auto zu verzichten, so Bürgermeister Becker.

Die vom Magistrat entworfene Badeordnung soll in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 9. April beschlossen werden. Wenige Wochen später, am 11. Mai, öffnet das jetzt offiziell als „Badestelle Walldorfer See“ bezeichnete Gewässer. Besuchen kann man es bis 15. September täglich zwischen 9 und 21 Uhr.

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