Mörfelden-Walldorf

Container gegen Wohnungsnot

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Mörfelden-Walldorf bietet neuen Wohnraum für 30 Obdachlose.

Drei Schlafräume für je zwei Personen, eine Küche und ein kleines Bad: So sehen die neuen Wohncontainer für Obdachlose aus, die die Stadt Mörfelden-Walldorf gestern in sengender Hitze am Ortsrand aufstellen ließ.

Die zweigeschossige Containeranlage bietet in acht Wohneinheiten à 60 Quadratmeter Platz für 30 Personen. Denn jedem Bewohner stehen neun Quadratmeter zu. Die Stadt begegnet damit der wachsenden Zahl an Obdachlosen. „Hatten wir vor neun Jahren in elf Unterkünften noch 36 Obdachlose, so leben jetzt 130 Obdachlose in 13 Unterkünften“, berichtet Heimo Boschert, Leiter des städtischen Sozial- und Wohnungsamtes. Auch die Verweildauer in den Unterkünften sei von drei bis sechs Monaten auf zwei bis drei Jahre gestiegen. „Die Menschen haben keine Chance mehr eine Wohnung zu kriegen“, so Boschert. Dabei habe sich auch die Struktur der Obdachlosigkeit geändert: Immer mehr Familien und Alleinerziehende verlieren ihre Wohnungen, weil sie die Miete nicht mehr zahlen könnten, wegen Scheidung oder Jobverlust in eine Schuldenspirale kämen oder weil sie keine bezahlbaren Wohnungen fänden, sagte Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD). Auch Flüchtlinge und deren Familien, die nachkommen, seien betroffen, aber laut Erstem Stadtrat Burkhard Ziegler (Freie Wähler) nicht ursächlich Schuld am Anstieg der Zahlen. 30 Kinder und Jugendliche seien obdachlos. Ziegler betonte, dass die Obdachlosen, die untergebracht würden, alle seit längerem in der Stadt gemeldet seien.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 675 000 Euro. Von der Liste der 130 Obdachlosen wird das Wohnungsamt nun die 30 dringendsten Fälle auswählen, etwa, wo Gewalterfahrungen in der Familie vorliegen, so Borschert. Es gehe darum, die Lage in den Unterkünften zu entspannen. Bürgermeister Becker vermutet, dass die neuen Container für zwei Jahre ausreichen. Wenn die Obdachlosenzahlen weitersteigen, „brauchen wir wieder Unterkünfte“. Eigentlich müsste die Stadt jährlich 50 Sozialwohnungen bauen, so Becker. Dann wäre gewährleistet, dass die Sozialbindung auch nach 50 Jahren noch bestehe und nicht nach 20 Jahren von der Wohnungsbaugesellschaft gekündigt werde. Jedoch habe die Stadt keine freien Flächen und könne derzeit maximal 100 Sozialwohnungen bauen.

430 Menschen hatten 2018 Anspruch auf eine Sozialwohnung. Aber nur 20 bis 50 Wohnungen werden laut Borschert jährlich frei. „Die Fluktuation ist so gut wie zum Stillstand gekommen“. Auch das liege daran, dass die Menschen keine bezahlbaren Wohnungen fänden.

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