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Für die vor elf Jahren eröffnete umstrittene Halle fielen 21 Hektar Wald.

Flughafen Frankfurt

Kritik an Fraport-Prognose zu A380-Werft

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Der Waldverlust für die A380-Werft war nicht nötigt, sagt Mörfelden-Walldorfs Bürgermeister. Die Fläche wird bis heute nicht gebraucht.

Trotz des Aus für den Bau des A380 wird die Werft für den weltweit größten Passagierjet am Frankfurter Flughafen weiter gebraucht. Der Flugzeugtyp werde noch viele Jahre von Airlines genutzt. „Zur Wartung des Riesenvogels wird deshalb auch weiter die passende Infrastruktur benötigt“, sagt Fraport-Sprecher Christian Engel der FR. Doch die ursprünglich geplante Zahl an Maschinen wird dort wohl nie erreicht. Vor dem Hintergrund hofft der Bürgermeister von Mörfelden-Walldorf, Heinz-Peter Becker (SPD), dass die Genehmigungsbehörden und Gerichte aus dem „ökonomischen Fiasko“ eine Lehre ziehen und künftig Vorhersagen kritischer hinterfragen.

21 Hektar Wald seien für die Halle gerodet worden, von der lediglich eine Hälfte realisiert wurde. Dafür wäre auch andernorts auf dem Gelände Platz gewesen. „Wir haben schon immer gesagt, dass die Prognosen, die von der Luftverkehrswirtschaft zum Ausbau des Frankfurter Flughafens vorgelegt wurden, alle deutlich zu optimistisch waren“, sagt Becker. „Das sieht man an der Wartungshalle, aber auch an der Anzahl der Flugbewegungen, den Passagierzahlen oder den Arbeitsplätzen.“

A380-Werft im Wald von Mörfelden-Walldorf

Airbus hatte jüngst angekündigt, die Produktion des Doppelstöckers 2021 einzustellen. Für seine Wartung hatte Fraport 2003 den Bau der Werft im Wald von Mörfelden-Walldorf beantragt. Der Widerstand war groß. Neben der zusätzliche Lärmbelastung befürchteten viele Bürger aus den fünf betroffenen Kommunen, dass er einen Einstieg zum Ausbau des Flughafens bedeutet. Was sich im Nachhinein bekanntlich bewahrheitete.

Trotzdem gab der Hessische Verwaltungsgerichtshof schließlich grünes Licht für den Bau einer der größten Industriehallen der Republik. Die ging vor elf Jahren in Betrieb – aus ökonomischen Gründen nur zur Hälfte.

Umweltorganisationen hatten mit der ökologischen Bedeutung des Waldes argumentiert und dem vielzitierten Versprechen, mit dem der frühere hessische Ministerpräsident Holger Börner (SPD) 1982 den Streit um den Bau der Startbahn West beenden wollte: „Am Frankfurter Flughafen soll kein Baum mehr fallen.“

Besitzerin des damals für die gesamte Halle vorgesehenen Geländes ist Lufthansa Technik. „Hier befindet sich das A380 Maintenance Control Center sowie Stellplätze für zwei bis drei A380, die gleichzeitig bearbeitet werden können“, sagt Sprecher Wolfgang Reinert. Primär führe Lufthansa Technik dort „technische Services bis zu C-Checks für die A380-Flotte der Lufthansa durch“. Zusätzlich werde dort an anderen Flugzeugtypen der Airline gearbeitet – etwa der Boeing 747-8. Wofür die nicht benötigte Fläche genutzt wird, war am Donnerstag von Lufthansa Technik nicht zu erfahren. In einer Debatte im Römer hieß es vor ein paar Monaten, dort befinde sich eine Straße mit Parkplätzen. An anderer Stelle würden Gegenstände gelagert.

Hintergrund: Die Werft

Die Halle ist 180 Meter breit, 140 Meter lang, 45 Meter hoch. Ihre acht Tore sind 43 Meter breit und 27,50 Meter hoch. Wartungsmöglichkeiten bietet sie für zwei A380 oder drei Boeing 747. Die Kosten beliefen sich auf 150 Millionen Euro. Die zweite Hälfte der Halle sollte 2015 fertig sein, wurde aber nie gebaut.

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