+
Die Zahl der Obdachlosen steigt vielerorts in Hessen. (Symbolbild)

Armut

Immer mehr Familien werden in Mörfelden-Walldorf obdachlos

  • schließen

Der Magistrat der Stadt will Container für Wohnungslose errichten. Ein Sozialarbeiter soll den Betroffenen frühzeitig helfen.

Die Zahl der Obdachlosen in Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) ist in den vergangenen Jahren nicht nur angestiegen. Auch die Struktur der Obdachlosigkeit hat sich nach Angaben der Stadt gravierend verändert. Betraf das Problem vor fünf Jahren noch 30 bis 40 Personen – vor allem alleinstehende Männer –, sind es jetzt mehr als 100, davon 32 Kinder und Jugendliche.

Obdachlosigkeit erreiche heute Familien, Alleinerziehende, Jugendliche und Kinder, heißt es in einem aktuellen Bericht des Sozial- und Wohnungsamtes. Seien früher Themen wie Alkoholmissbrauch oder Verwahrlosung mit Obdachlosigkeit verbunden gewesen, so stünden heute Scheidungsfolgen, Sorgerechtsstreitigkeiten, Gewalt in der Familie und Wohnungsverlust wegen Schulden im Mittelpunkt. Personen mit Schufa-Einträgen würden von Vermietern im freien, aber auch im öffentlich geförderten Wohnungsmarkt, etwa von Wohnungsbaugesellschaften abgelehnt. „Das Problem ist, dass die Leute sich erst bei der Stadt melden, wenn sie schon die Räumungsklage am Hals haben“, sagte Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) am Dienstag. Die Kommune sei dann verpflichtet, die Personen in eine Obdachlosenunterkunft zu vermitteln.

Aber die städtischen Unterkünfte sind rappelvoll. Die Empore Waldenserhof oder der Container Nordring seien auf absehbare Zeit maximal belegt, teilweise auch doppelt, sodass die Bewohner keine Privatsphäre hätten.

Mörfelden-Walldorf: Obdachlosenunterkünfte voll belegt

Verschärft hatte sich die Situation im Dezember, nachdem das Hotel Albatros schloss. Dadurch wurden laut Magistrat knapp 40 anerkannte Flüchtlinge kurzfristig obdachlos und mussten von der Stadt untergebracht werden. Jetzt gebe es nur noch die Alternative Hotel; und die koste 45 Euro pro Person und Tag.

Derzeit müsse zwar niemand auf der Straße leben, dennoch hat der Magistrat beschlossen, neue Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose und anerkannte Flüchtlinge zu schaffen. „Wir wollen gewappnet sein“, sagte Becker. Dafür sollen in der Siemensstraße Container für 32 Personen errichtet werden. Diese plant der Magistrat für 824 000 Euro zu kaufen. Die Stadtverordnetenversammlung muss der Vorlage noch zustimmen. Als weiterer Schritt wurde bereits die Stelle eines Sozialarbeiters ausgeschrieben, der sich frühzeitig um die Klientel kümmern soll. Ziel ist die Vermeidung von Obdachlosigkeit.

Im gesamten Kreis Groß-Gerau fehlen jährlich 1600 Wohnungen. Um leerstehende Wohnungen von Privateigentümern in die Vermietung zu bekommen, hat die Darmstädter Neue Wohnraumhilfe gemeinsam mit dem Kreis im Mai 2018 das Projekt „Vitamin B“ ins Leben gerufen. Jetzt verkünden die Initiatoren einen ersten Erfolg: Bereits 16 Wohnungen für 44 Personen seien bis Ende des Jahres vermittelt worden, sagte Leonore Mankau von der Wohnraumhilfe auf FR-Anfrage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare