Rüsselsheim

Mehr Zeit fürs Lernen

Ab dem Schuljahr 2011/12 wird an der Rüsselsheimer Humboldtschule „eine kleine Revolution“ umgesetzt, wie Schulleiterin Renate Pilgenröther es nennt: Vier Unterrichtseinheiten wird es dann am Vormittag geben, jede davon mit einer Länge von 60 Minuten.

Die verpflichtende Stunde nach der Mittagspause wird genauso lang sein. Die Integrierte Gesamtschule nimmt damit in Rüsselsheim eine Vorreiterrolle ein.

Moderne Lernformen sind dort nichts völlig Neues: Mit dem selbsttätigen Lernen im Fach Deutsch und dem forschenden Lernen im Fächerverbund Naturwissenschaften hat die Schule bereits Erfahrungen gesammelt. In Deutsch etwa habe dies auch schon positive Ergebnisse in Prüfungen gezeigt, bestätigt Pilgenröther.

Hausaufgaben fallen weg

Diese Art des Lernens, bei dem Schüler Themen verstärkt selbstständig erarbeiten, selbst forschen und entwickeln, benötige mehr Zeit, sagt die Schulleiterin. In einer Unterrichtsstunde über 60 Minuten werde der Spannungsbogen der Konzentration besser genutzt, sind Pilgenröther und die Europaschul-Koordinatorin Dorit Walter überzeugt.

Die verlängerte Schulstunde lasse mehr Raum für vertiefende Erläuterungen, Übungen und die Festigung des Unterrichtsstoffs. Wissen könne so nachhaltiger vermittelt werden. Hausaufgaben würden weitgehend verzichtbar. Von Vokabeln pauken, Facharbeiten und Referaten befreie dies die Schüler allerdings nicht. Wo zusätzlicher Förderbedarf bestehe, werde dies in die Mittagspause eingebaut. In der Praxis bedeutet dies auch: weniger Klingeln, das den aktiven Lernprozess stoppt.

Die Unterrichtszeit erstreckt sich künftig von 8 bis 12.40 Uhr. Danach ist eine halbe Stunde für das Mittagsessen mit anschließenden Kreativ-, Lern- oder Sportangeboten über rund 75 Minuten vorgesehen. Dabei sind Lerninseln wie Ruhezonen vorgesehen. Verpflichtende Lern- und Förderstunden gibt es für die Jahrgangsstufen fünf bis sieben.

Nach langem Vorlauf sei die Entscheidung für diese Umgestaltung im Einvernehmen mit Schülern, Eltern und Lehrern getroffen worden. Gerade die Eltern hätten sich von dem Vorhaben begeistert gezeigt, nicht zuletzt wegen der Verringerung der „häuslichen Schulpflichten“.

Als besonderen Förderschwerpunkt für die nächsten Jahre kündigte Pilgenröther das Fach Mathematik an mit einem schulinternen kleinen Mathematikum für die Jahrgänge fünf und sechs. Spannende Fragen sollen auch dort – wie in Deutsch und den Naturwissenschaften – zum selbsttätigen Lernen anregen.

Pünktlich zum Start des neuen Unterrichtsmodells soll auch die Modernisierung der sechs Schulräume samt energetischer Sanierung der Gebäude abgeschlossen sein.( eda)

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