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Zwei Drittel der Ernte liegen im Kornlager, der Rest wurde direkt vom Feld verkauft.

Groß-Bieberau

Der Lohn der Landwirte

Fritz und Jürgen Albrecht sind zufrieden mit der diesjährigen Ernte.

Die Mähdrescher stehen still, der Winterweizen ist eingefahren: Die Landwirte Fritz und Jürgen Albrecht aus Groß-Bieberau haben die Ernte eingeholt und zwei Drittel in der Getreidehalle gelagert. Der Rest wurde direkt vom Feld an den Landhandel verkauft. Wie funkelndes Gold schimmern tonnenweise Korn im Licht, das durch hohe Fenster fällt. „Was hier lagert, ist der Lohn unserer Mühen, ist der Ertrag des Landwirts“, sagt Senior Fritz Albrecht stolz.

Wahre Körnerberge türmen sich auf. Der Weizen ist teils noch umhüllt von der Spelze, durchweg aber wurde die Ummantelung beim Mähen bereits ausgedroschen. Die Gerste mit ihren Grannen fühlt sich hingegen borstiger an. Fritz Albrecht greift zur Schaufel, hebt das Korn an und lässt es zurück auf die Halde rieseln. „Selten, dass heute noch Leute kommen, um etwa einen Sack Weizen für ihre Hühner bei uns zu kaufen. Was hier lagert, wird bis in den Winter hinein an große Mühlen verkauft, bei denen wir teils unter Vertrag stehen“, erklärt er.

Seit 2001 hat Familie Albrecht, die in fünfter Generation einen Vollerwerbshof mit Mastrindern und Schweinen sowie angegliedertem Hofladen betreibt, ein eigenes Lager, wo ein Gutteil der Jahresernte vom Feld direkt eingelagert wird.

„Knapp 40 Hektar Weizen haben wir Anfang August bei warmem, trockenem Wetter gemäht. Dafür sind wir zwei Nächte durchgefahren, weil noch andere Landwirte auf die Geräte warteten. Die beiden Mähdrescher vom Odenwälder Lohnunternehmer kosten uns 150 Euro pro Hektar. Das heißt, sich ran zu halten. Eine halbe Stunde intensive Arbeitszeit pro Hektar“, erklärt Jürgen Albrecht. Die Ernte sei in diesem Jahr nach einem milden Winter und einem trockenen April früh dran gewesen, erklären Vater und Sohn. „Trotz der Trockenheit zufriedenstellende Ergebnisse. Im Mai gab’s aber zur richtigen Zeit nochmal Regen. Was jetzt aber, nach den Unwettern vom Wochenende noch draußen steht, ist nur als Futter zu brauchen.“

Brötchen mit dem eigenen Mehl gebacken

Die Feuchtigkeit des Getreides bei der Ernte sollte nicht mehr als 14,5 Prozent betragen, die sogenannte Fallzahl bei etwa 300 liegen, sonst gebe es „Löcher im Brötchen“, sagt Fritz Albrecht lachend. Und erklärt: „Die Fallzahl bestimmt das Quellvermögen des Teigs.“
In der Tat weiß er, dass die Brötchen, die morgens auf dem Frühstückstisch stehen, mit Mehl aus seinem Korn gebacken wurden. „Wir beliefern die Schlossmühle in Ober-Ramstadt, von der wiederum unser hiesiger Bäcker die Zutaten bezieht“, erklärt er.

Alljährlich sei es eine „Riesenanspannung“, ob Wachstum und Ernte gelingen, berichtet der Bauer. „Unser Raps zum Beispiel ist gegen Hagelschlag versichert“, fügt er hinzu. „Wenn sich das Getreide auf dem Feld aufrichtet, das Unkraut entfernt ist, wird alles gut. Schnecken allerdings stellen immer eine Gefahr dar.

Anbau im Kreislauf von Ernte und Saat fordert einen permanent“, berichtet er. Juniorchef Jürgen Albrecht ergänzt: „Vor zwei Jahren hatten wir im Winter drei Tage Minus 20 Grad ohne Schnee. Da ist uns der ganze Weizen erfroren. Im Frühjahr musste alles neu ausgesät werden.“

Auf ihren Äckern zwischen dem Fischbachtal, Groß-Bieberau und Reinheim bauen Vater und Sohn Getreide und Blattfrüchte in gedeihlicher Fruchtfolge an. „Auf Gerste und Weizen folgen Kartoffeln, Zuckerrüben und Raps. Mit der Ernte der Wintergerste ging’s Anfang Juli los, der Raps folgte Ende des Monats und schließlich kam der Weizen Anfang August dran“, zählt Jürgen Albrecht den Ablauf im Rhythmus der Jahreszeiten auf.

Das Stroh verbleibe jeweils auf dem Acker, werde als organischer Dünger genutzt oder zu Ballen gepresst und als Einstreu fürs Vieh gebraucht. „Kurze Pause nur. In zwanzig Tagen wird schon der Raps ausgesät“, ergänzt Senior Fritz lachend. (lot)

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